Inhalt:

Navigation:

 
Mutanten auf Andromeda
Seitenanzahl: 244
ISBN: 978-3-935171-08-3
Buchart: Paperback
Gewicht: 256 g
Größe: 19x12,6 cm

Mutanten auf Andromeda

Klaus Frühauf

Der Sprung des Raumschiffes in eine andere Galaxis ist gelungen. Unter einer grauen Wolkendecke liegt der Planet, die vermeintliche Quelle der verstümmelten Signale. Doch dann geschieht das Unbegreifliche.

Preis: 10,00 € *

 

Leseprobe

Im niedrigen, festgetretenen Gras lag seltsam verkrümmt eine langgestreckte Gestalt, deren äußere Form etwas erschreckend Menschliches hatte. Beide fühlten im Bruchteil einer Sekunde, daß sie hier vor der Leiche eines der Wesen standen, die die Herren dieses Planeten waren. Es dauerte lange, ehe sie sich dazu entschließen konnten, mit dem Ausstieg zu beginnen. Das, was sie aus der Entfernung von nur wenigen Metern, vom Gras halb freigegeben, sehen konnten, übertraf an Fremdartigkeit alles bisher Dagewesene.
Diesmal war es Wilden, der sich zuerst entschloß. “Wir müssen sie doch irgendwann einmal ansehen, Grit. Vielleicht ist es für uns so einfacher, als wenn wir einem von ihnen unverhofft lebend begegnen würden. Wir mußten als Raumfahrer jederzeit damit rechnen, fremden Lebewesen zu begegnen, deren Aussehen unseren Vorstellungen zuwiderläuft. Dabei scheint mir dieses Wesen unverkennbar menschliche Formen zu besitzen. Steigen wir also aus.”
Das, was er sagte, klang vernünftig, dennoch war sein Ton unsicher. Die Biologin sah Wilden von der Seite an. “Natürlich hast du recht, Klaus. Aber gerade die Tatsache, daß dieses Wesen uns irgendwie ähnlich ist, macht mich betroffen. Wäre es ein Molch oder eine Spinne, ich würde keinen Moment zögern, eine Kontaktaufnahme zu versuchen, aber so …”
Wieder war es Korojew, der versuchte, ihnen Sicherheit zu geben. “Ihr müßt aussteigen. Es ist eine einmalige Gelegenheit, mehr über diese Menschen zu erfahren. Außerdem müssen wir unsere natürlichen Aversionen gegenüber Fremden überwinden. Jetzt besteht die Möglichkeit, sich an den Anblick zu gewöhnen. “Faßt euch meinetwegen an den Händen”, setzte er mit einem leisen Lachen hinzu.
Die wenigen Schritte bis zu der im Gras liegenden Gestalt gingen die zwei sehr langsam. Es hatte den Anschein, als wollten sie die Begegnung möglichst lange hinauszögern. So war es auch nicht verwunderlich, daß sich Klaus Wilden gern von den beiden in unmittelbarer Nähe der regungslosen Gestalt liegenden silbrigen, länglichen Gegenstände ablenken ließ. Vorsichtig berührte er eine der Säulen mit dem Fuß und beugte sich dann hinab, um sie näher in Augenschein zu nehmen. Als er sich aufrichtete, war sein Gesichtsausdruck verblüfft.
“Grit”, murmelte er, “sieh dir das bitte an! Wofür hältst du das?”
Die Biologin faßte langsam mit beiden Händen die metallene Schale, an der die beiden schlanken Säulen befestigt waren, und stellte sie senkrecht. “Das ist der silberne Unterkörper der Wesen, die mit ihren Handstrahlern unsere Landerakete angegriffen haben. Er ist ein Teil für sich. Es ist eine Art mechanischer Laufapparat. Das sind …”
“… die Beine dieser Menschen. Sie sind aus Metall.” Aus den Kopfhörern klang die erregte, aber leise Diskussion der Freunde aus dem Disco. Korojew schien die Entdeckung der beiden für unmöglich zu halten oder doch zumindest die Schlußfolgerung, die sie daraus gezogen hatten. “Wie sollen diese Menschen, die nach unseren bisherigen Erfahrungen noch keinen hohen Entwicklungsstand erreicht haben, zu derartigen Mechanismen kommen?”
Klaus Wilden verteidigte die Meinung der Biologin energisch. Grit, die einen Augenblick verblüfft war über die Energie, mit der der junge Ingenieur ihre Theorie vertrat, ging zu dem stillen braunbehaarten Wesen hinüber. Sie hatte keine Furcht und keine Aversionen mehr. Sie hatte einen Gedanken, der immer mehr Gestalt annahm. Noch war sie sich selbst nicht ganz im klaren, worauf das alles hinauslief, aber sie fühlte, daß hier vielmehr Hilfe vonnöten war als Abwehr. Sie vernahm Wildens erregte Stimme in ihren Hörern. “Es handelt sich um eine halbkugelige Schale, die in ihrem Innern zwei Aussparungen enthält. Unten sind zwei Stützen beweglich angebracht, die in ihrer Form fast genau unseren Beinen entsprechen. Sie wiederum tragen an ihrem unteren Ende Füße mit drei Zehen. Das alles ist durch Gelenke miteinander verbunden, die genau an den Stellen liegen wie bei uns Menschen.”
Korojews Einwände schienen leiser geworden zu sein. “Aber das bedeutet doch, daß es sich um ein steuerbares System handeln muß. Wenn es eine feste Stütze wäre, würde ich das ohne weiteres glauben, aber ein vollständiger Unterkörper …”
“Du wirst es glauben müssen”, murmelte die Biologin, die den vor ihr liegenden Körper betrachtete.
“Aber das würde bedeuten, daß sie keine Beine haben.” Wilden war neben die Biologin getreten. “Genauso ist es, Ants. Sie haben keine Beine. Sie haben künstliche Stelzen.” Dann tastete er die Verbindung zum Disco aus. Er war so erregt, daß er fürchtete, Korojew könne ihm anmerken, wie ihm das, was er hier sah, naheging.
Der Rumpf des vor ihm liegenden Wesens war an seinem unteren Ende fast rund, und dort standen sinnlos zwei kurze, mit Zehen versehene Stummel ab, die offensichtlich genau in die Aussparungen der Schale paßten. Sie sahen aus wie die Flossen einer Robbe.

zum vorherigen Produkt Übersicht zum nächsten Produkt

* Die angegebenen Preise sind inklusive gesetzlicher MwSt. und zuzüglich Versandkosten.