Die Frau des Trinkers, Kurt Biesalski
ISBN 3-89954-096-4
"Die Frau des Trinkers" ist ein Roman, der vor allem durch die nachvollziehbaren Psychogramme der Hauptfiguren und die Genauigkeit der Situationsschilderungen besticht, der alle Fragen aufwirft, doch gleichzeitig rücksichtsvoll genug ist, auf keine Frage eine schlüssige Antwort zu geben. Mögliche Antworten, so glaubt der Autor, können allein aus der seelischen Erschütterung des Lesers erfolgen.
Leseprobe:
Zu fliehen ist ihr nicht gelungen, Hilfe von woandersher ist ihr versagt. Woher sollte sie auch noch Hilfe erwarten? Seit Anton Boschs Fortgang gab es niemanden mehr in diesem Dorf, auf den man sich wie auf einen Pfahl stützen könnte. Die Leute in diesem merkwürdigen Dorf zogen sich von ihr zurück, wenn sie mit immer neuen Blutergüssen durch den Ort ging - als wäre sie eine Aussätzige. Nein, sie ist ganz allein. Sie muß also selbst etwas unternehmen, sich selbst helfen, ihr einfaches Leben retten. Denn länger häkt sie es nicht mehr aus. Sie muß etwas tun, damit sie diese bestialischen Mißhandlungen los wird, gleichgültig was. Nur loswerden muß sie sie! ... ... So sehr Maren jetzt auch grübelte, ihr fiel nicht das geringste ein, was noch einen Ausweg aus dieser Lage versprach. Sie selbst konnte nichts mehr machen. Und ihre eigene Zukunft sah sie in den schwärzesten Farben. Nichts. Nur bestürzende Düsternis lag vor ihr. An diesem Manne kam sie einfach nicht vorbei. Nein, nie und nimmer. Wie ein riesiger Keil saß er mitten in ihrem Leben und blockte vor ihr alles ab, was lebenswert war. Kein Lichtstrahl drang zu ihr durch, kein Zeichen einer Hoffnung, nichts, worauf sie sich auch nur im geringsten freuen könnte. Mit instinktiver Sicherheit hatte er alle Lücken gefunden und mit seiner hämischen Schadenfreude erbarmungslos verstopft. Auch ihre geheimen Pläne, die ihr in aller Stille einen leisen, aber doch beträchtlichen Rückhalt gegeben hatten, hatten sich mittlerweile allesamt als nichtig erwiesen.
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