Pellkartoffeln mit Leinöl, Theodor Fischer
ISBN 3-89954-117-0
Ernste und heitere Geschichten aus der Jugendzeit eines Schlesiers
Der 1933 geborene Schlesier Theodor Fischer beginnt mit 60 zu schreiben und erinnert sich an seine Jugendzeit.
Leseprobe:
Die Nacht wurde zu einem Alptraum. In einer Ecke, in Decken gehüllt, saßen die drei und warteten mit einem flauen Gefühl im Magen auf die Dinge, die da kommen sollten. Anstelle des Schlafes, der sich nicht einstellen wollte, fing es noch vor Mitternacht an, auf dem Dachboden zu rumoren. Dann hörte man Schritte auf der Bodentreppe, die mal von oben nach unten und mal von unten nach oben gingen. Nachdem es einen Moment völlig still war, faßte plötzlich jemand an die Türklinke und versuchte, die Tür zu öffnen, was jedoch nicht gelang. Der Hund, sonst ein scharfer Hüter seines Hauses, verkroch sich in einen Winkel und zog seinen Schwanz ein. Das matte Licht, das eine Petroleumlampe verbreitete, begann gleichzeitig zu flackern. Nachdem es noch bis gegen 1.00 Uhr die verschiedensten Geräusche auf dem Boden gab, herrschte endlich Ruhe im Haus. Erst als der Morgen dämmerte, konnten die zu Tode Erschrockenen ein bißchen Schlaf finden. Vollständigkeitshalber ist noch zu erwähnen, daß meine Mutter damals mit 17 Jahren ältester Teilnehmer der nächtlichen "Hausbesetzung" war.
Jahre später, als meine Großtante wieder einmal zu Besuch bei uns weilte, verabredete sie sich mit meiner Mutter, auf dem Dachboden zu übernachten, um der Sache endlich auf den Grund zu gehen. Gesagt, getan. Nach den Berichten beider soll gegen Mitternacht die Gestalt eines Försters in voller Montur mit Gewehr und Hund im Giebelfenster eingestiegen sein. Er soll daraufhin zwischen Giebelfenster und Bodentreppe ständig hin- und hergelaufen sein, wobei ihm der Hund folgte. Nach einer Weile sei er bei seiner Wanderung den Frauen immer näher gekommen und habe ihnen schließlich die Bettdecke weggezogen. Darauf seien sie ausgerückt und hätten fluchtartig den Boden verlassen. Am anderen Tage hätten sie die Bettdecken an einem ganz anderen Ende des Bodens wiedergefunden. Wiederholungen einer solchen Übernachtung auf dem Dachboden habe es nicht mehr gegeben. Allerdings hat das nächtliche Poltern nie aufgehört. Ich selbst habe es auch noch vernehmen können.
Mein Vater, der keine Angst vor Gespenstern hatte, bemerkte eines Nachts …
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