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Uns leiw Stadt an'n Bodden, Hans Erichson (Hg.)
Eine Blütenlese heimatkundlicher Beiträge über die Boddenstädte Ribnitz und Damgarten
ISBN 978-3-86785-023-0
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Leseprobe:
Auf der Bank an der Klostermauer
Meine erste heimatkundliche Schulungsstunde bei Richard Wossidlo
Richard Suhr
1957
An einem "Schulmeistersonntag" war es, einem herrlichen Sonnabendnachmittag. Wenn auch schon viele Jahre darüber ins Land gegangen sind, so steht mir das besondere Erlebnis dieses Tages in allen seinen Einzelheiten noch heute lebendig vor der Seele. Mein Weg führte mich in die Klosterallee, wo ich auf einer der sauberen Bänke an der Klostermauer Platz nahm. Ein würdiger älterer Herr kam die Allee herunter. Waren es seine gütigen, freundlichen Augen, war es seine proppere Kleidung, war es seine vornehme Haltung? Es fesselte mich jedenfalls seine ganze Persönlichkeit. Wir grüßten uns freundlich, und er fragte mich in einer äußerst verbindlichen Weise, ob er mir ein wenig Gesellschaft leisten dürfe. Wie groß war aber nun erst meine Überraschung, als er sich als Professor Wossidlo bekannt gab, von dessen erstaunlichem Erfolg in seiner Volkstumsarbeit ich manches gehört und gelesen hatte.
Meine anfängliche Befangenheit diesem bekannten Wissenschaftler gegenüber löste sich aber bald, als er in zwangloser Unterhaltung von seiner Arbeit erzählte und er mich einen tiefen Blick in die Seele unseres mecklenburgischen Volkes tun ließ. Mit größter Hochachtung sprach er dabei von der mecklenburgischen Lehrerschaft, die ihn vorbildlich bei seiner Sammeltätigkeit unterstützt hätte.
Wie groß war aber mein Erstaunen, als er, sich unserer Umwelt zuwendend, Bäumen, Bächen, Hügeln und Wiesen Sprache und Handlung verlieh und sich nun in unaufhörlicher Folge ein lebensvolles Bild an das andere reihte. Wir sahen junge Mädchen in der Frühe des ersten Ostertages behende und geräuschlos über das feuchte Wiesengras an den Klosterbach eilen, um das segenspendende Osterwasser zu schöpfen. Auf dem Rasenplatz vor dem Bleicherberg, der alten Stadtbleiche, erhielt das graue selbstgewebte Linnen unter der pfleglichen Hand des Bleichers seine blendende schneeige Weiße.
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