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Peter Drews Ut mien Läben as Landdokter
ISBN 978-3-86785-130-5 8,50
Bisher veröffentlichte Peter Drews plattdeutsche Kurzprosa in Anthologien und Periodika. Nun liegen 20 seiner schönsten Geschichten in einem Band vor. Ein Zeitdokument der besonderen Art ist hier entstanden, das entgegen vieler anderer heutiger Editionen das Prädikat lesenswert verdient. Hartmut Brun
Peter Drews, geboren 1939 in Dömitz, Abitur 1958, Studium Militärmedizin an der Universität Greifswald, 1965 Staatsexamen.
1969 Promotion zum Dr. med. und tätig als Facharzt für Allgemeinmedizin und Leiter einer Staatlichen Arztpraxis für Allgemeinmedizin in Dömitz, 1977 als Kreisarzt in Ludwigslust.
1981 Berufung zum Stellvertreter des Bezirksarztes in Schwerin. 1988 Leiter der Hauptinspektion im Ministerium für Gesundheitswesen in Berlin. 1991 Niederlassung als Arzt in Berlin-Hohenschönhausen.
Lebt seit 2003 in Techentin bei Ludwigslust.
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Leseprobe:
SWESTER CHARLOTTE
Dat gifft Minschen, de sünd so klauk, dat sei Kattenschiet in?n Düstern rüken.
Dortau hüren ok all de Lüd, de nich in de ehemalig DDR läwt hemm, woll ok nie nich dor west sünd, hüt aewer nipp Bescheed weiten, woans wi dunntaumalen läwt un arbeit hemm.
De grote dütsche Komödiant Heinz Erhardt hett oewer disse Klaukschieters maleens seggt: "Manche Menschen wollen glänzen, obwohl sie keinen Schimmer haben!"
Männigeen vun disse Nägenmalklauken weit nich orrer will ok gornich weiten, dat wi in de DDR Saken un Inrichtungen harrn, up de wi mit Recht stolt wieren, oewer de wi hüt froh wieren, sei noch orrer wedder tau hemm.
Dortau hüren tau?n Bispill de Gemeindeswesternstatschonen un de Gemeindeswestern.
Gemeindeswesternstatschonen, de mit een orrer ok woll mihr Swestern besett wieren, gäw dat oewerall in Stadt un Land.
För de Statschonen wier fastleggt, dat sei tauminnst Warteruum un Sprekzimmer harrn. Utrüst wieren sei meist mit Schrievdisch un Stauhl, Kombi-Schapp för Medikamenten, Sprütten un Verbandstüch, ne Lieg, ne Kortwell, Rodlicht, Inhalator un Sterilisator.
De Gemeindeswestern harrn mihrstendeils Telefon in ehr Statschon un ok in ehr Wahnung. Un dat in de DDR!
För ehre Fohrten tau Sprekstunn un Husbesäuke wieren sei mit Mopeds (tauierst "SR1" orrer "2", later ok "Star, Schwalbe" orrer "Sperber") utrüst. Dormit wieren de Swestern bi Dag un Nacht ünnerwegens.
In Daems stünnen mi drei Gemeindeswestern as Hülp tau Siet.
Dor wier tauierst Charlotte Siehl. Sei harr ehr Statschon in Polz, wahnte aewer mit ehr Mudder Alma in ehr eegen Buernhus in Grot Schmölen, wier ok för disse beid? Dörper taustännig.
De Swestern Hanna un Maria deilten sik de Stadt Daems, tau Maria hürten aewer ok noch de Dörper Heidhoff un Rüterbarg.
Disse drei Frugens sünd mi nich blots bi miene Butensprekstunnen in Polz, Grot Schmölen, Heidhoff un Rüterbarg tau Hand gahn, hemm mi bi de Johr för Johr aflopend Impfakschon gägen de Virusgripp, gägen Tetanus/Diphterie un Kinnerlähmung hulpen, sünnern sei hemm mit mi tausamen ok Sorg för all de Kinnergordens un -krippen un dat Fierabend- un Plägheim in Daems hatt.
Dortau hemm sei sülwst noch Sprekstunnen in ehr Statschon dörchführt, Husbesäuke bi malade Kinner, öllere Lüd, Sworkranke, Frugens in annere Ümständ un Niegeburne makt, bi Notwennigkeit Huskrankenpläg organisiert un denn noch Burmeisters un LPG-Vörsitters (Landwirtschaftliche Produktions-Genossenschaft) tau "Hygiene" un "vorbeugenden Gesundheitsschutz" beraden.
Een echten FulltimeJob, aewer eener oewer 24 Stunnen Dag för Dag.
Dat Paradbispill tau Ihren de Gemeindeswestern wier "Schwester Agnes", gespält vun Agnes Kraus in de beleifte Kiekschapp-Serie, utstrahlt oewer den DFF (Deutscher Fernsehfunk).
Mihrst an?t Hart wussen wier mi aewer doch woll Swester Charlotte. Un dat ok ut dissen Anlat: Klock twei midden in de Nacht lürrt dat Telefon. Ik sall man glieks nah Polz kamen, dor hett ne öllere Fru eenen bannigen Swinnel. Nu wier ik vun de oewervull Sprekstunn un de välen Husbesäuke so farig, dat ik seggt heff, dat disse Sak je woll nich so ielig wier, ik aewer noch vör de Sprekstunn kamen würd.
Dornah heff ik upleggt, mi up de Siet dreiht un wull wiererslapen.
Man dorut würd nicks. Wedder lürrt dat un ik hür Charlottens Stimm ut den Hörer: De ierste un wichtigst Rägel för mi as Landdokter wier je woll: "Du willst und musst helfen!"
Un dat ganz gliek, of dat rägent, sneit orrer de Sünn schient, of Dag orrer Nacht is. Ik müsst henföhren un twors vergnäugt un gliek. De Anroperin as Laiin künn je woll nich weiten, wo slimm de Taustand vun de Fru wier. Sei sülwst würd vör de Husdör up mi täuwen.
Wenn ik nich föhr, würd sei nie nich wedder ok man een Wurt mit mi snacken.
Un ik bün dunn hensust, künn de Fru helpen un dat wier ok dull nödig.
Tau?n Glück harr mi je Swester Charlotte tiedig tau Pott sett un mi so vör eenen sworen Fähler bewohrt.
Disse Lihr heff ik mien ganzet Berufsläben nich vergäten un mi ümmer doran hollen.
Dorför segg ik noch hüt: Välen Dank, leiwe Charlotte.
Nah de Wenn "passten die Gemeindeschwesternstationen nicht mehr in das Konzept der ambulanten Pflege" un so würd denn een nah de anner tauschlaten.
Nu gahn aewer mihr un mihr Landdokters in Rent, sodat för de Minschen up dat Land nich mihr nauch Dokters dor sünd.
As Afhülp ward siet 2006 mit väl Mäuh versöcht, de Gemeineswesternstatschonen wedder uptaubugen, üm "den Ärztemangel in ländlichen Gebieten abzufedern und die hausärztliche Versorgung zu unterstützen", as dat up Politikerdütsch heit.
Intwüschen löppt disse Sak as "Modellprojekt" all in MV, Bramborg, Sassen un -Anhalt.
Aewer nu mit eenen ganz annern, niegen, äben bundesdütschen Anslag.
Gägen disse Hülp dörch Gemeindswestern wohren sik de "niedergelassenen" Dokters un de privaten Plägdeinste mit luter Stimm. Dorbi geiht ehr dat mihrstendeils gornich üm de Minschen un de Sak, sünnern eenzig un alleen üm ehre Penunsen.
As oewerall in disse Gesellschaft mihr gägen- as miteenanner.
Oh, wo is dit Läben eenmal scheun!!
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