Heinrich Kröger über Rudolf Hartmann
"Von all's ein bäten as Mankkaakt äten"
Der Mecklenburger Rudolf Hartmann (1885-1945) ist einer der wenigen plattdeutschen Schriftsteller, die dem Nationalsozialismus die Stirn geboten haben, und der nach Verbüßung einer zweijährigen Gefängnisstrafe am 6. März 1945 im KZ Mauthausen in Österreich starb.
Als Sohn eines Großbauern aus Demern im damaligen Fürstentum Ratzeburg war ihm nach dem Abitur (1906) ein breit gefächeltes Studium möglich, doch er verließ die Universität 1912 ohne Abschluss, um Reiseschriftsteller zu werden. Unterdessen begann der Weltkrieg, aus dem Rudolf Hartmann erst 1920 zurückkehrte. 1922 gründete er den "Freibund Demern" und fand bald den Weg in die KPD. 1923 wurde er in den Mecklenburg-Strelitzer Landtag gewählt. 1925 zog er mit seiner Frau Olga geb. Kulow nach Blüssen bei Schönberg. 1927 und 1928 durch Machenschaften seiner Gegner nicht wiedergewählt, lebte er fortan von den Erträgen seiner Landwirtschaft und widmete sich verstärkt der Schriftstellerei. Nach 1933 wurde ihm Schreibverbot auferlegt.
Obwohl sich in der DDR manche Prominente wie Prof. Hans-Joachim Gernentz und Fritz Meyer-Scharfenberg für den antifaschistischen Autor einsetzten, konnte der Sohn Rainer Hartmann erst in den letzten Jahren das Werk seines Vaters sammeln und veröffentlichen: Heft 1: Verteilers, Riemels und Graffsprüch; Heft 2: Buernwies mit en Ogenplirikern; Heft 3: Wie läwt uns rut ut'n Paradies; Heft 4: Dat Leigen mütt tau hürn wäsen. Die Edition der nachgelassenen Texte, die Dr. Jürgen Grambow bis zu seinem Tode sehr gefördert hat, ist jetzt mit Heft 5 abgeschlossen.
Dieser Band (ohne Inhaltsverzeichnis) enthält außer einer längeren Erzählung "Wilddeiw Jarchow" kurze Prosastücke und zahlreiche Verse, zumeist Lebensweisheiten und Zeitkritisches. Dafür zwei Beispiele:
"Int drüd Reich!
As't Holt war knapp bi uns in't Land,
dann hebbt wi Hitlereiken plant,
in jedes Dorp in jede Stadt,
hett bald son Ding sien Gitter halt." (S. 55)
"Kein entkamen
Dei Krieg, dat is kein Abenteuer,
dat is Di'n richtig Ungeheuer.
Hei fäuhrt nich Lüer blot in Gefahr,
hei fritt ehr up mit Hut im Hoor." (S. 65)
Fünf Einheiten schälen sich heraus: Wirtshussprüch (S. 76-77); Hussprüch (S. 103-106); Afftellers (S. 133-135); Spruch för't Album von'n Komwermanden (Konfirmanden) (S. 136-138) und Graffssprüch (S. 165-168). In der zweiten Einheit findet sich ein aufschlussreiches eigenes Bekenntnis:
"Dat Dack von Reith dei Wann von Leim,
dei Inrichten ok man so, so
un't is doch liekers ok ein Heim,
dei Görn, mien Fru un ik sünd froh." (S. 104)
Unter einer eindrucksvollen Illustration stehen die Worte:
"Dei Burjung
Ganz kort man aff von 'n Ulengäwel,
dor föl'k perdautz, von 'n Dubenboen.
Ahn Rock, ahn Büx, ahn Strümp un Stäwel,
so kam'k as Dien veluren Soehn. " (S. 207)
Diese wenigen Zitate belegen den besonderen Stellenwert des fast vergessenen niederdeutschen Autors.
"Der Heidewanderer" ist die Wochenendbeilage der "Allgemeinen Zeitung der Lüneburger Heide" Uelzen
Dr. Heinrich Kröger ist Vorsitzender der Freudenthal-Gesellschaft e. V., Soltau
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