Klaus Jetzt im Oktober 2001 über Wolfgang Schreyers Romane
Tatsachen Romane
Lateinamerika in den Büchern von Wolfgang Schreyer
Mit 32 Buchtiteln und vier Millionen verkauften Büchern war er ein Bestseller-Autor, der das Lateinamerika-Bild in der DDR maßgeblich geprägt hat. 1959 schreibt er den in Guatemala angesiedelten Politthriller "Das grüne Ungeheuer" über die Machenschaften der United Fruit Company und den Sturz der demokratisch gewählten Reformregierung Arbenz. In den 70er Jahren folgt eine Roman-Trilogie mit dem Titel "Die Dominikanische Tragödie". Und in den 80er Jahren erscheint der El Salvador-Roman "Die fünf Leben des Dr. Gundlach". In Zeiten des Kalten Krieges sind die Themen quasi vorgegeben: Es geht um Guerillakriege, Putsche, Revolutionen und Konterrevolutionen, die Rolle der lokalen kommunistischen Parteien, der reaktionären Militärcliquen und bourgeoisen Kräfte und immer um den Kampf für eine gerechtere Gesellschaftsordnung. Die Rede ist von Wolfgang Schreyer, Jahrgang 1927, geboren in Magdeburg.
Warum ist ein Autor, der in der DDR sehr erfolgreich war, dessen Bücher für DDR-Leser dort standen, "wo Hoch- und Populärliteratur sich nahe sind" (Verlag Neues Berlin), im wiedervereinigten Deutschland kaum noch populär? In den alten Bundesländern sind die Romane Schreyers nahezu unbekannt und in Antiquariaten sucht man vergeblich nach Restbeständen der vier Millionen verkaufter Bücher. Anders in den neuen Bundesländern. Hier scheint Schreyer eine treue Leserschaft zu haben, wenn denn der Andrang bei Signierstunden hierfür ein Indiz ist. In Antiquariaten der Berliner Ostbezirke wird man fündig, auch auf Flohmärkten in den neuen Bundesländern und überall dort, wo ganze ehemalige DDR-Bibliotheksbestände verscherbelt werden, finden sich auf Anhieb einige Romane Schreyers. Der Autor hat in den 90er Jahren nie so richtig Fuß gefasst, er sitzt plötzlich zwischen den Stühlen. Der Verlag Bastei-Lübbe schreibt ihm: "Literarisch sind Ihre Arbeiten zu hoch angesetzt, zu sophisticated, zu indirekt erzählt - und vor allem fehlen die Morde, die bei einer Sex-and-crime-Geschichte doch wohl dazugehören." Der renommierte Aufbau-Verlag wiederum teilt ihm mit, gerne öffne man sich auch der Unterhaltungsliteratur, doch werde man keinesfalls so weit gehen, "einen Autor Ihrer Art" zu publizieren. "1990 brach uns DDR-Autoren jäh der Buchmarkt weg", schreibt Schreyer in seiner im vergangenen Jahr erschienenen Autobiographie "Der zweite Mann". "Lange vor der Währungsunion vom 1. Juli haben die Großverlage drüben den Buchhandel hier aus übervollen Lagern bedient, ihm gängige Titel zum Kurs 1:1 für Ostgeld verkauft, um Fuß zu fassen auf dem lukrativen, ziemlich abgeschirmten Markt."
Nach seinen Plänen und Buchprojekten befragt, sagt der 73jährige Autor, der mit seiner Familie seit vielen Jahren in seinem Haus im Ostseebad Ahrenshoop lebt: "Ich schreibe kein Buch mehr, ich will nicht mehr, habe genug andere Arbeit. Da streiche ich doch lieber mein Haus oder bin draußen an der frischen Luft, in der Natur." An Lateinamerika interessierte LeserInnen sollten Ausschau halten nach Schreyers Guatemala-Romanen oder seiner "Dominikanischen Tragödie". Der erste Band dieser Trilogie, "Der Adjutant", ist ein wahrer Lesegenuss. Ein Vergleich mit Vargas Llosas neuem Roman "Das Fest des Ziegenbocks" drängt sich auf. Der höchst spannende Roman schildert das Ende der langen Trujillo-Diktatur. Schreyer beschreibt detailliert und anschaulich verschiedene Facetten und Exzesse des Regimes, liefert überzeugende, psychologisierende Charakterstudien der Protagonisten und historischen Persönlichkeiten. Die spannende Schilderung der Vorbereitungen einer Handvoll von Verschwörern, Schreyers Version des Mordkomplotts gegen Trujillo, seine spannende Wiedergabe der berühmten Nacht- und Nebelaktion, in der der Diktator wie ein Hund auf einer einsamen Überlandstraße erschossen wurde, sind atemberaubende Thriller-Miniaturen, die den Vergleich mit Vargas Llosas Roman nicht zu scheuen brauchen.
Beide Autoren haben mit ihren historischen Romanen nicht nur für Höchstspannung gesorgt. Die Werke sind auch wahre Fleißarbeiten. Während Vargas Llosa in den 90er Jahren intensive Studien und Befragungen in Santo Domingo durchführte, hat Schreyer die Karibikinsel nie betreten. Er wiederholte Ende der 60er Jahre, als er seine Recherchearbeiten zu der dominikanischen Romantrilogie "Der Adjutant" (1971), "Der Resident" (1973), "Der Reporter" (1980) begann, die Methode des Quellenstudiums, die sich bereits Anfang der 50er Jahre, bei der Entstehung seines Romans über den nationalpolnischen Warschauer Aufstand von 1944 ("Unternehmen Thunderstorm", 1954) bewährt hatte. Dazu sagt Schreyer: "Recherchen in Santo Domingo waren unmöglich. Die Insel blieb mir wegen der fehlenden diplomatischen Beziehungen zur DDR verschlossen. Und Quellen gab es wenig. Es gab einige Bücher, die schwer aufzutreiben waren. Enzensberger widmet in seinem Buch ,Politik und Verbrechen' ein Kapitel dem dominikanischen Diktator. Nach langer Suche in Bibliotheken stieß ich auf Tad Szulcs ,Dominican Diary'. Der aus Warschau stammende US-Korrespondent schrieb für die New York Times über Lateinamerika. Über seine Erlebnisse in Santo Domingo 1965 hat er dieses Tagebuch geschrieben." Auch stützt er sich auf den Bericht "Overtaken by Events" des US-Diplomaten John Bartlow Martin. "Das war ein Kennedy-Mann, der dem amerikanischen Präsidenten im Wahlkampf geholfen hatte und von ihm 1962 nach Santo Domingo geschickt worden war. Von Juan Bosch habe ich nichts im Original gelesen. Aber Martin schreibt ausführlich über ihn. Martin habe ich in meinem Roman ,Der Resident' Mitchell genannt, damit mir nicht die Hände gebunden waren, was die privaten Dinge der Person angeht. Und dann war da noch ein 800 Seiten dickes Buch von Dan Kurzman von der Washington Post über die Zeit nach Trujillo. Ich habe also mein Konservenenglisch ausgegraben und diese Bücher gelesen."
Im Jahre 1968 lernt Schreyer in Magdeburg den Chef der dominikanischen KP, Narciso Isa Conde, kennen, der sich gerade auf der Durchreise nach Moskau befindet. Trotz des rigiden Protokolls und eines gefüllten Programms, das die ZK-Begleitung für den Generalsekretär der Bruderpartei ausgearbeitet hat, gelingt es dem parteilosen Schreyer, Isa Conde ausführlich zur April-Revolution in Santo Domingo und zu dessen Rolle bei diesen Ereignissen zu befragen. Isa Conde sollte nicht nur eine der Randfiguren der Trilogie werden. Seit jenem Magdeburger Treffen gibt er Landsleuten, die in der DDR studieren wollen, Schreyers Anschrift. So stehen ihm bald mehrere Zeitzeugen zur Verfügung und er kann ein lebendiges Bild vom Geschehen in Santo Domingo gewinnen.
Die drei Bände der "Dominikanischen Tragödie" umreißen drei klar abgetrennte Phasen zwischen 1960 und 1965. In "Der Adjutant" ist der Protagonist ein Mitarbeiter der Palast-Adjutantur, der sich den Verschwörern anschließt. Der Roman beginnt Ende 1960 und endet im Sommer 1961, als der Trujillo-Clan nach dem Attentat vom 31. Mai 1961 Jagd auf die Verschwörer macht, bevor er Hals über Kopf das Land verlässt. "Der Resident", dessen Protagonist der US-Botschafter Mitchell (John B. Martin) ist, der im Geiste der "Allianz für den Fortschritt" aus der Dominikanischen Republik ein "Schaufenster der Demokratie" machen will, beginnt im Frühjahr 1962, schildert die Wahl und kurze Amtsperiode von Juan Bosch und endet mit dessen Sturz im September 1963. "Der Reporter" schließlich, hier ist der Protagonist David Varela, Korrespondent einer nordamerikanischen Nachrichtenagentur, schildert die April-Revolution von 1965, also die Phase zwischen der Volkserhebung gegen die Militärjunta unter Donald Reid Cabral bis zum Einmarsch von 22 000 nordamerikanischen Marines in Santo Domingo.
Dubcek und Bosch
Auslöser für die Beschäftigung mit der dominikanischen Thematik war, so der Autor, der Einmarsch des Warschauer Paktes in die Tschechoslowakei. "Das traf mich ins Mark. Dubceks Sturz war beschlossene Sache. Die Vorwände waren durchsichtig, ungereimt, haarsträubend. Mir half nur noch eins: schreiben. Und zwar ein Buch, das den kaltblütigen Ablauf mitsamt der Vorgeschichte als ein Gleichnis erzählt, die Aktion also verfremdet." Auch die andere Weltmacht, so Schreyer, neigte genauso zum Draufhauen, sobald ihr in ihrem Machtbereich etwas nicht passte. Jüngstes Beispiel damals war eben der Einmarsch nordamerikanischer Truppen in die Dominikanische Republik Ende April 1965. Der Autor hatte die Absicht, diese Ereignisse unterhaltsam und mit einer großen Portion Wahrhaftigkeit darzustellen, um dem Geschmack eines großen Publikums gerecht zu werden. Seine "karibische Erzählung" habe viele Leser erreicht und aufgefordert die dominikanischen Ereignisse mit den Vorgängen in Prag zu vergleichen.
Die in der Trilogie klaffende zeitliche Lücke zwischen 1963 und 1964 hatte Schreyer bereits 1969 mit seinem ersten dominikanischen Roman, "Der gelbe Hai", sozusagen vorab geschlossen, als er an der Konzeption der "Dominikanischen Tragödie" arbeitete und sich dem Quellenstudium und der Aufbereitung der historischen Fakten widmete. Auch dieser Roman beruht auf Tatsachen. Er erzählt die Geschichte des gescheiterten Aufstandes von Ende 1963/Anfang 1964, der vom Anführer des Movimiento 14-J (benannt nach dem Landungsversuch vom 14. Juni 1959, durch den Trujillo gestürzt werden sollte), Manuel Tavárez Justo, in den dominikanischen Bergen geleitet wird. Bei der Beschreibung des äußeren Ablaufes dieser Guerilla-Aktion stützte sich Schreyer auf Materialien der dominikanischen Kommunisten José Israel Cuello und Narciso Isa Conde. Die Romanpersonen jedoch sind erfunden. Die innere Geschichte einer Partisaneneinheit, so Schreyer, gehe zurück auf Notizen und Äußerungen von Guerilleros, die größtenteils in den 60er Jahren im Kampf fielen oder ermordet wurden, etwa Camilo Torres in Kolumbien, Turcios Lima und Yon Sosa in Guatemala, Luis de la Puente Uceda in Peru oder Che Guevara in Bolivien.
Einen weiteren Band, etwa über die Ära Balaguer, dessen Wiederaufstieg mit der US-Intervention und der Niederschlagung des Aufstandes von 1965 begann, hat Schreyer niemals geplant. Diese Figur, "dieses Stehaufmännchen, dieser konservative Politiker, mit allen Wassern gewaschen, der es immer wieder verstanden hat, im Sattel zu bleiben, der ja schon unter Trujillo Präsident gewesen war", habe ihn eigentlich weniger interessiert. Dennoch: In der Trilogie spielt auch Balaguer zunächst als Trujillos rechte Hand und später als aalglatter, berechnender Politiker immer wieder eine Rolle, die natürlich wenig schmeichelhaft ist. Ganz anders hingegen porträtiert Schreyer in "Der Resident" den Hoffnungsträger Bosch. Die einprägsamen Passagen über dessen nur sieben Monate währende Amtszeit gehören zum Besten, was belletristisch über diesen demokratischen Aufbruch und Versuch, notwendige, längst überfällige Reformen einzuleiten, geschrieben wurde.
"Der Reporter" erscheint erst 1980. Schreyer sagt, er habe zunächst die Hoffnung nicht aufgegeben, Francisco Caamaño interviewen zu können, jenen Oberst, der den Volks- und Armeeaufstand von 1965 leitete. Dieser kam allerdings 1973 ums Leben, als er mit einer Gruppe Guerilleros einen Landungsversuch in der Dominikanischen Republik unternahm, um das Balaguer-Regime zu stürzen. In Cuba versucht Schreyer 1976 Kontakt zu Exil-Dominikanern aufzunehmen. "Nach Santo Domingo konnte ich nicht. Ich hatte mir erhofft, dass die kubanischen Kulturfunktionäre mir Kontakte herstellen könnten. Doch das klappte nicht. Es ging damals das Gerücht um, dass es möglicherweise zu einer Annäherung zwischen Castro und Balaguer im Sinne einer Neutralität kommen würde. Das hörte ich durch unsere Botschaft."
Guatemala und El Salvador
Statt zu emigrierten Dominikanern wurden in Havanna reichlich Kontakte zu Exil-Guatemalteken hergestellt. Unter anderem zu einem gewissen Alfonso Bauer Paiz, einem Guatemalteken deutscher Abstammung, ehemals Hochschullehrer, während des liberalen Zwischenspiels der Regierung Arbenz Präsident der Nationalbank seines Landes. "Als ich ihn kennen lernte", so Schreyer, "arbeitete er als Emigrant im Justizministerium in Havanna. Er ging zunächst einmal sehr auf Abstand. Die Guatemalteken in Havanna waren sehr unzugänglich. Sie wussten ja nicht, ist der Mann nicht doch vielleicht von der CIA und entstehen mir oder meinen Verwandten in Guatemala Nachteile?" Die Ereignisse, die zum Sturz von Arbenz führten, hatte Schreyer bereits 1959 in seinem Roman "Das grüne Ungeheuer" (in Folgeauflagen in Anlehnung an Miguel Angel Asturias' Roman in "Der grüne Papst" umbenannt) dargestellt. Das Buch hat etwas von einem reißerischen Abenteuerroman und ist doch auch zeitgeschichtliche Reportage. Schreyers Darstellung des gesellschaftlichen Hintergrundes entspricht den historischen Tatsachen, zeugt von einem intensiven Quellenstudium zu den Vorgängen in Guatemala 1954. Den fiktiven Personen, wie dem deutschstämmigen Abenteurer Antonio Morena, der als ehemaliger Soldat der Wehrmacht in den schmutzigen Krieg des Obstkonzerns United Fruit Company gegen die demokratische guatemaltekische Regierung verwickelt wird, stellt Schreyer "historische Persönlichkeiten" gegenüber. So lässt der "Tatsachenroman" höchst zweifelhafte Gestalten wie den Putschistenführer Castillo Armas oder den ehemaligen US-Botschafter Peurifoy vor dem Auge des Lesers wiederauferstehen.
Noch Jahre später wirken die Schrecken der Verfolgung bei vielen guatemaltekischen Emigranten in Kuba traumatisch nach. Von Alfonso Bauer Paiz erhält Wolfgang Schreyer den 150 Seiten dicken vertraulichen Bericht eines jungen Mannes aus dem Umfeld der guatemaltekischen Arbeiterpartei. Der Text schildert die Auseinandersetzungen innerhalb der KP über die Themen Guerilla-Taktiken, bewaffneter Kampf, Geldbeschaffung durch Geiselnahme und Bankraub. Die DDR-Botschaft in Havanna bewertet den Bericht als "hochbrisant" und ungeeignet für eine literarische Verwendung. Die lateinamerikanische Stadtguerilla sei dem RAF-Terrorismus ähnlich und "bei uns ein Tabu".
Doch Schreyer verwendet das tagebuchähnliche Manuskript für seine Erzählung "Die Entführung" (1977). Guatemala, 1966: Seit Jahren führen einige Studenten aus gutem Hause Krieg gegen das Militärregime. Sie haben sich besonders auf Entführungen reicher Politiker spezialisiert, um Gelder für den bewaffneten Kampf zu akquirieren. Der Protagonist René befürwortet den bewaffneten Kampf und setzt sich mit seiner Linie gegen gemäßigte KP-Mitglieder durch, die eine Stillhaltetaktik propagieren, um den reaktionären Militärmachthabern keinen Vorwand für "terroristische Maßnahmen gegen den Widerstand" zu liefern. René scheitert mit seiner Strategie. Seine Gruppe wird zerschlagen, ihm gelingt nur mit Mühe die Flucht ins Ausland. Das Thema der Entführung durch eine bewaffnete Stadtguerilla greift Schreyer erneut in seinem El Salvador-Roman "Die fünf Leben des Dr. Gundlach" (1982) auf. Hans Gundlach, Werbefachmann eines Kölner Konzerns, fliegt 1980 nach San Salvador, um im Entführungsfall eines Firmenmitarbeiters zu vermitteln. Vor Ort wird er selbst zum Entführungsopfer der Guerilla. In der Gefangenschaft erfährt er einen tief greifenden Wandel und schließt sich den Guerilleros an. Am Ende fällt er im Gefecht mit nordamerikanischen Geheimdienstlern, die in dem mittelamerikanischen Land operieren. Auch in diesem Roman schildert Schreyer auf der Basis authentischer Dokumente ein Stück Zeitgeschichte und die gesellschaftliche Realität eines Landes, die er mit der psychologisierenden Charakterstudie seines fiktiven Helden verknüpft.
Schreyers Lateinamerika-Romane sind nicht bloß Politthriller oder Spionageromane. Der Autor selbst spricht vom gattungstheoretischen "Hilfsbegriff des Tatsachenromans". Er greift in seinen Werken Ereignisse der Zeitgeschichte auf. Schon in seinen Kriegsromanen hatte Schreyer ausgiebig Gebrauch von Quellen und anderem dokumentarischen Material gemacht. Ihm geht es um eine exakte Wiedergabe historischer Ereignisse oder Zeitläufe, die in eine fiktive, stark psychologisierende Rahmenhandlung eingebettet ist. Problematisch ist bei dieser Methode des "Fernstudiums", also der notgedrungen einseitigen Beschränkung auf meist Sekundärquellen, das Entstehen eines möglicherweise verfälschten Ambiente. Der Autor selbst sagt, dass ihm "Das grüne Ungeheuer" im Rückblick "fast peinlich" sei. Er spricht von "Schwächen, die in meiner Unkenntnis Lateinamerikas wurzeln". Einem Autor mit ausgeprägtem erzählerischen Talent, der allerdings "bloß am Schreibtisch reisen" kann, ist zudem die Verwertung von Zeugnissen, wie beispielsweise in den cubanischen "novelas de testimonio", fast verwehrt. In der "Dominikanischen Tragödie" jedoch hat Schreyer außer Quellen und Dokumenten gerade auch solche testimonios von Zeitzeugen verwenden können. Es ist nicht zuletzt dieser Umstand, der die Trilogie über alle anderen Lateinamerika-Romane Schreyers stellt.
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