Annerose Kirchner am 06. August 2005 über:
Wolfgang Held "Al-Taghalub"
Beduinen und Rebellen - Romane des Weimarer Schriftstellers Wolfgang Held in Neuausgaben
1944. Ein Mann irrt durch die westafrikanische Wüste. Auf seiner Fußsohle befindet sich eine geheimnisvolle Tätowierung, die Formel zur Herstellung eines tödlichen Nervengases. Fred Laurenz wird von Francos Leute und von der Gestapo gejagt. Das gefährliche Wissen der "schwarzen Kerze" darf nicht in die Hände von Nazi-Gegnern gelangen.
Mit seinem 1967 veröffentlichten Politthriller "Das Licht der schwarzen Kerze" deutete Wolfgang Held ein Thema an, das ihn fortan beschäftigen sollte: der arabische Raum. Die Kenntnisse erwarb sich der Weimarer nicht nur über Bücher, Recherchen in Archiven, sondern auch durch Reisen in den Orient, nach Syrien, Ägypten und in den Oman. Doch zu DDR-Zeiten war es nicht nur schwierig in den Nahen Osten zu gelangen. Brisante Themen wie der versteckte Sklavenhandel (Sudan/Saudi-Arabien), dem die UNO machtlos gegenüber stand, konnten in den 70er-Jahren in der DDR (wegen den wirtschaftlichen Beziehungen zu den Emiraten) zum Problem für eine Buchveröffentlichung werden.
Das betraf Wolfgang Helds Roman "Al-taghalub - Gesetz der Bärtigen", der erst 1981 erscheinen konnte, aber in kaum einer Buchhandlung auftauchte. Wolfgang Held hat sich nun um eine Neuauflage bemüht. Die Idee für diesen Roman - er hat bis heute nichts von seiner Brisanz verloren - stammt aus dem Jahre 1972, als der Anschlag palästinensischer Terroristen auf israelische Sportler die Olympischen Sommerspiele überschattete. Der Roman spielt im Umfeld des Sechs-Tage-Krieges, der 1967 mit israelischen Luftangriffen auf ägyptische Militärbasen begann. Die Tochter eines dänischen Schäfers fällt einem Attentat zum Opfer. Der Vater reist nach Israel, um die Täter zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Er wird mit den blutigen Konflikten im Heiligen Land konfrontiert. Doch er kann nicht morden, um einen Mord zu sühnen. Wolfgang Held beleuchtet das spannende Geschehen als analytischer Beobachter, ohne die fiktive Handlung zu sprengen. Und er gibt natürlich eine verständliche Erklärung des Phänomens "Al-taghalub".
Der Weimarer Schriftsteller, der kürzlich seinen 75. Geburtstag feierte, schrieb über 30 Bücher, verfasste Drehbücher für Film und Fernsehen und machte sich vor allem mit "Einer trage des anderen Last" und "Uns hat Gott vergessen" (eine Auseinandersetzung mit der Alzheimer-Krankheit) einen Namen.
Ins historische Thüringen führt sein Roman "Wie eine Schwalbe im Schnee", erstmals 1987 veröffentlicht. Die Hauptfigur ist wieder ein Einzelkämpfer, einer der aufbegehrt, wie so viele Gestalten in Helds Büchern. Johann Christoph Roth ist eine authentische Figur, ein Jäger, der auf Schloss Kochberg seinen Dienst versah. Eine Gestalt, vergleichbar mit Karl Stülpner, aber längst vergessen. Wolfgang Held entwirft mit Fakten und Fiktion ein Zeitbild: Hintersättler, Tagelöhner, die harten Frondienst für ihre Herrschaft leisten und wissen: "Nur wer schreit, dem wird's Fell abgezogen." Einer der sich gegen die Obrigkeit wehrt und gegen seinen Willen zum Volkshelden aufsteigt, ist jener Jäger Roth.
Obwohl im Thema verschieden, ist in allen Büchern Wolfgang Helds Credo zu spüren: "Toleranz ist für mich der einzige Weg zum Überleben der Menschheit. Alles Unglück der Welt beruht auf Intoleranz." Mit dieser Haltung schreibt er seine Bücher für ein breites Publikum und hat noch einiges in der Schublade parat.
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