Claudia Haiplick in der Ostsee-Zeitung Barth am 08. Februar 2005 über: Johanna Michallik (Hg.) "Rostocker Auslese"
Gedichte und Geschichten von Ramona Müller sind in dem Buch "Rostocker Auslese" erschienen. OZ besuchte die Lüdershäger Autorin.
Hintergrund: Seit Januar 2004 treffen sich monatlich Autorinnen und Autoren im "Szenario" in Rostock, um ihre Geschichten und Gedichte vor einem an Literatur interessierten Publikum zu testen. Die Freie Lektorin und Organisatorin der "Lesebühne im Künstlertreff" Johanna Michallik hat jetzt eine Auswahl der besten im vergangenen Jahr gelesenen Texte im BS-Verlag-Rostock herausgegeben. Etwa 60 Autorinnen und Autoren aus Rostock und Umgebung, aber auch aus Neubrandenburg, Lüdershagen, Graal-Müritz, Güstrow, Schwerin, Bad Doberan und Hamburg hatten den Weg auf die Lesebühne gefunden - von ihnen finden sich jetzt 43 in der "Rostocker Auslese" wieder, darunter auch Ramona Müller aus Lüdershagen. Die Anthologie ist eine bunte Mischung geworden - genauso bunt wie die Lesebühnen selbst.
Lüdershagen - Ein Schreibblock liegt bei Ramona Müller griffbereit in der Küche. Und auch ein Stift ist schnell zur Hand, wenn die Worte beginnen, sich in ihrem Kopf zu formen. Eilends auf Papier dahin geworfene Gedanken fügen sich zu Lyrik und Prosa. "Das Bedürfnis zu schreiben, überfällt mich an den unterschiedlichsten Orten, und dann ist es ärgerlich, wenn ich keinen Zettel parat habe", erzählt die Wahllüdershägerin. Daher habe sie zumindest in der Küche vorgesorgt.
Doch oftmals entwickelt sich die Lyrik auf Spaziergängen über Landwege und Flure von Lüdershagen. "Wieder zu Hause, habe ich dann oft Mühe, die Worte erneut zusammen zu bekommen", schmunzelt Ramona Müller, deren Familie vom Schreibbedürfnis der zweifachen Mutter allerdings weniger begeistert ist. Unter ihren drei Männern sei man einhellig der Meinung, dass sie in der "vertanen Zeit" nützlichere Dinge tun könne, fügt die couragierte Frau hinzu, die bereits als Kind erste Geschichtchen und Gedichte schrieb.
Doch erst seit ihre beiden Jungen aus dem Gröbsten heraus sind, fand Ramona Müller vermehrt Zeit zum Schreiben und schuf sich bewusst Freiräume. Nachdem sie mit eigenen Tiergeschichten eher erfolglos versucht hatte, ihren Söhnen das Lesen schmackhaft zu machen - gelungen war das erst Harry Potter - , besuchte die 43-Jährige vor etwa vier Jahren den Kurs der Volkshochschule "Kreatives Schreiben" in Barth. "Ich hatte gesehen, dass es mir nach wie vor Spaß machte und mir selber viel brachte", sagt Ramona Müller. Von da an habe sie das Schreiben wieder voll gepackt.
Dabei weiß die junge Frau, deren Texte nicht autobiografisch sind, oftmals nicht, wohin die ersten Zeilen sie führen werden. "Die Geschichten führen ein Eigenleben und nehmen oft eine ganz andere Richtung, als ich anfangs geplant habe", sagt Ramona Müller, die diese Wandlungen selber spannend finde und es bewusst zulasse. Dass die Herangehensweise von Erfolg gekrönt ist, beweisen bereits zwei Bücher, in denen Gedichte und kleine Geschichten von ihr veröffentlicht wurden. In der Rostocker Lesebühne las die studierte Landwirtin mehrmals aus ihren Werken vor. Für Ramona Müller ist die Lesebühne eine Oase im Alltag geworden. "Auf der Bühne vor Publikum zu lesen, das dann sogar klatscht, ist ein gewaltiges Erlebnis", bemerkt die sympathische Frau, die sich über Angebote für Lesungen in gemütlichen Runden freue.
Ramona Müller: Voll Mond
He, du Mond, du!
Du oller Pfannkuchen!
Hängst da am Himmel ab
und glotzt hier runter.
Du glotzt hier runter und ich
glotze rauf.
He, du da oben, du!
Du Mondgesicht!
Blass siehst du aus
und gelb und kalt.
Du bist gelb und ich
bin blau.
He, du! Wer bist du?
Du leuchtende Fratze!
Selbst ein Wolf heult,
wenn er dich sieht.
Und wer heult, wenn er mich
sieht? Keiner.
He, du Mond du!
Was gibt's da zu grinsen?!
Hängst da am Himmel ab
und glotzt hier runter.
Du gehst auf und ich
geh unter.
Prost! Trinken wir drauf!
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