Dieter Flohr in Wasserspiegel 10/2004 über: Rainer Däbritz
"Wismar - Licht und Schatten unter Segeln"

Segelschiffe made in Wismar

Mit unendlicher Mühe und Kleinarbeit hat sich der Wismarer Schiffahrtsautor Rainer Däbritz der maritimen Geschichte der alten mecklenburgischen Hansestadt gewidmet. Dazu konnte er viele Jahre lang das Wismarer Stadtarchiv durchforsten. Seine maritimen Vorkenntnisse hatten dabei offensichtlich auch sein Auge geschärft, so dass es ihm gelungen ist, Fakten und Tatsachen ans Licht zu bringen, die der deutschen Schiffahrtsliteratur insgesamt von Nutzen sein dürften.
Wismar hat seine Entstehung und spätere Bedeutung als Welthandelsplatz und Schiffbaustandort seiner günstigen geografischen Lage zu danken. 1229 im Zuge der deutschen Ostexpansion und Christianisierung der Wenden gegründet und bald darauf in den Bund der deutschen Städtehanse aufgenommen, entwickelte sich Wismar zu einer der reichsten Städte des Mittelalters. Der Handel mit Heringen, Getreide, Bier und Salz sowie Wollwaren und Pelzen aus Russland zahlte sich aus. Däbritz weist akribisch nach, zu welchen Zielen die in Wismar gebauten Koggen, Holks und Kravels, Galeassen, Schoner, später die Barken, Briggs und Fregattschiffe zwischen dem Schwarzen Meer, Spanien und Portugal bis Nowgorod, Visby, Stockholm, Bergen und Archangelsk unterwegs waren. Der Autor hat es geschickt verstanden, die jeweiligen historischen Zusammenhänge in die 700jährige Schiffahrts- und Schiffbaugeschichte einzubinden. Das gibt ihm auch die Möglichkeit, den Niedergang der Handelsmetropole durch immer neue Kriege im Ostseeraum verständlich zu machen. Wismar wurde in alle militärischen Auseinandersetzungen, beginnend mit dem 30-jährigen Krieg, einbezogen. Wismar geriet in alle Kriege Schwedens, die das nordische Land zur Gewinnung der Vorherrschaft im Ostseeraum führte. Mitte des 19. Jahrhunderts blühten Schiffbau und Seefahrt nach Überwindung der napoleonischen Herrschaft noch einmal auf. Dann war die große Zeit der Segelschiffe auch in Wismar vorbei. Ein umfangreiches Tabellenwerk informiert den Leser über Schiffsbestand, das Gewerk der Schiffszimmerer, Frachten, Preise, Dividenden, Schiffsverluste, Löhne und Heuer, Kapitäne, Reeder, Kaufleute und Industrielle in Wismar. Erstmalig veröffentlicht Däbritz die komplette Liste der Kriegsflotte Wallensteins. Wenngleich es dem Autor schwer gefallen ist, eine literarische Buchfassung zu finden und er zum Ende des Buches mehr und mehr in eine Dokumentation und Materialsammlung abgleitet, kann das Buch dem schiffahrtsinteressierten Leser nur empfohlen werden.


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