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Ein Mädchen und zwei Romane
Seitenanzahl: 130
ISBN: 978-3-89954-002-4
Buchart: Paperback
Gewicht: 146 g
Größe: 19x12,6 cm

Ein Mädchen und zwei Romane

Elfriede Brüning

Filmerzählung

Filmerzählung. Mit einem Vorwort von Elfriede Brüning

Preis: 7,50 € *

 

Leseprobe

Zu diesem Buch (Auszug aus dem Vorwort Elfriede Brünings vom Sommer 2002)
Die in diesem Band veröffentliche Filmerzählung, die zur Grundlage des späteren Drehbuches wurde, das von der Defa zur Verfilmung angenommen, nach der sogenannten Wende aber nicht mehr realisiert werden konnte, beruht auf Tatsachen. Ich berichte darin von einer Gruppe junger Menschen, die dem “Bund proletarisch-revolutionärer Schriftsteller” angehörten, der im Jahre 1928 von Johannes R. Becher, Erich Weinert, Karl Grünberg, Berta Lask und anderen gegründet worden war und zu dem inzwischen auch so bekannte Autoren wie Anna Seghers, Ludwig Renn, Friedrich Wolf und andere zählten, die in der literarischen Welt schon einen Namen hatten. Unter den annähernd hundert “Bund”-Mitgliedern in Berlin gab es indes auch viele, die wie ich erst am Anfang ihrer literarischen Entwicklung standen. Ich war 1932 zum “Bund” gekommen und war damals mit meinen 21 Jahren das jüngste Mitglied. Außer mir befanden sich in der Gruppe Nord des Bundes, dem ich angehörte, ein Poet, der sich durch Fensterputzen etwas Geld verdiente; Walter Scholle, der Inhaber eines kleinen Buchladens in Schöneberg sowie ein weiterer Büchernarr, Werner (das war Werner Ilberg), der von einem Bücherkarren herab seine Schmöker verkaufte. Die Bibliothekarin Herta Block gehörte zu uns, die Satirikerin Hilde (Berta Waterstradt) und Trude Richter, die Studienrätin, die später in die Sowjetunion emigrierte, in dem schlimmen Jahr 1937 verhaftet wurde und zwanzig Jahre in einem Straflager in Sibirien verbringen mußte.
Wir alle diskutierten in unseren Zusammenkünften über die Rolle des klassischen Erbes oder über Wert und Unwert der literarischen Tagesarbeit.
Wir hofften, eines Tages das “große proletarische Kunstwerk” zu schaffen, während wir inzwischen noch heftig darüber stritten, ob nur der proletarisch geborene Schriftsteller eine proletarische Literatur werde schaffen können, wie Andor Gabòr, gleichfalls ein “Bund”-Mitglied, erst kürzlich in der “Linkskurve” behauptet hatte.
Nach Hitlers Machtantritt, im Januar ’33, wurde der “Bund” verboten, und wir mußten zunächst untertauchen. Merkwürdigerweise hat uns aber gerade der 10. Mai ’33, der Tag der Bücherverbrennung auf dem Opernplatz, wieder zusammengeführt, denn viele von uns waren dort, um Zeuge der Untat zu sein. Und nun beschlossen wir, weiterhin zusammenzukommen – jetzt allerdings illegal und nur in kleinen Gruppen. Wir nahmen uns vor, über das Dasein im Dritten Reich wahrheitsgetreu zu berichten, sei es in Form von Erzählungen, Kurzstorys, Glossen oder Satiren; unsere Arbeiten sollten dann, durch einen Kurier ins Ausland geschleust, in den “Neuen Deutschen Blättern” veröffentlicht werden, einer Zeitschrift, die Wieland Herzfelde in seinem Malik-Verlag in Prag herausgab und in der es eine Rubrik gab, die “Die Stimme aus Deutschland” hieß.
Leiter unserer illegalen Gruppen war Hans Schwalm, der sich erst in der Emigration Jan Petersen nannte. Er hielt die Verbindungen zu den einzelnen Dreiergruppen aufrecht, und er nahm, als illegaler Redakteur der Zeitschrift, unsere Beiträge entgegen. Außerdem schrieb er damals, was wir anderen nicht ahnten, unter den schwierigen Bedingungen der Illegalität, immer von Entdeckung bedroht, an seiner Chronik einer Straße in Berlin-Charlottenburg. Das Manuskript seiner Arbeit konnte er später unter abenteuerlichen Bedingungen ins Ausland schaffen, wo es zunächst in England, später aber auch in anderen Ländern, unter dem Titel “Unsere Straße” erschien und große Beachtung fand.
Petersen – oder damals noch Hans Schwalm – verließ uns im Sommer 1935, ohne uns allerdings zu verraten, daß er in Paris an dem Kongreß “Zur Verteidigung der deutschen Kultur” teilnehmen sollte. Er trat dort mit einer schwarzen Maske vorm Gesicht als Vertreter der noch in Deutschland verbliebenen revolutionären Schriftsteller auf und überbrachte den Kongreßteilnehmern unsere Grüße. Er konnte dann nicht mehr nach Deutschland zurückkehren, weil die Gestapo inzwischen – im Oktober 1935 – alle Berliner “Bund”-Mitglieder verhaftet hatte. Ein Spitzel namens Felix hatte sich bei uns eingeschlichen und an die Gestapo verraten. Wir wurden angeklagt wegen “Vorbereitung zum Hochverrat” und erhielten Gefängnisstrafen, die, mit ein bis zwei Jahren, noch relativ milde waren. Nur Kurt Steffen, der nach Schwalms Abreise die Gruppen geleitet hatte, wurde zu fünf Jahren verurteilt, da das Gericht das eine Jahr Untersuchungshaft, das er bereits abgebüßt hatte, nicht anrechnen wollte.
Ich selbst kam ins Frauengefängnis Barnimstraße und saß in Einzelhaft. Als “Schutzhäftling der Gestapo” hatte ich Schreiberlaubnis und so entstand, gewissermaßen als Tarnung, in kurzer Zeit ein kleiner Liebesroman, den, wie ich wußte, die Gestapo mitlas, denn ich mußte jeden Tag das Geschriebene bei der Gefängnisbeamtin abliefern und bekam es erst nach Tagen wieder zurück.

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