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Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer
Seitenanzahl: 235
ISBN: 978-3-89954-159-5
Buchart: Paperback
Gewicht: 250 g
Größe: 19x12,6 cm

Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer

Johannes Gillhoff

Nun, da wieder viele Mecklenburger mangels “Hüsung” das Land verlassen, ist Jürnjakob Swehn endlich nach Hause gekommen. Außer 1989 als Fortsetzungsroman in der Norddeutschen Zeitung, ist Johannes Gillhoffs “Jürnjakob Swehn der Amerikafahrer” nie in Mecklenburg erschienen. Es ist Hartmut Brun zu danken, daß Johannes Gillhoff neben den “niederdeutschen Klassikern Fritz Reuter (1810-1874) und John Brinckman (1814-1870)” den Lesern wieder zugänglich gemacht wird.

Preis: 14,00 € *

 

Leseprobe

Als das Haus fertig war, da war ich froh, denn der Anfang war da, und es war meist eigene Arbeit. Die Nachbarn haben mir bloß beim Aufschlagen geholfen. Ein Blockhaus zu bauen dauert nicht lange. Die Hauptsache ist die Vorarbeit. Das Aufschlagen selbst dauert oft nur einen Tag oder zwei. – So freute ich mich. Aber Wieschen fand ich mennigmal, daß sie in der Ecke oder draußen stand und ihre Hantierung mit dem Schürzenzipfel hatte. Und als ich mit freundlichen Wörtern in sie eindrang, weißt du, was sie da sagte? Da sagte sie: Wenn unsere Wohnstube man so schön wäre wie der Schweinestall in eurem neuen Haus. – Hoho, dachte ich, so geht das nicht. Die mußt du ein bißchen aufmuntern, Jürnjakob Swehn, daß sie einen andern Glauben kriegt. Sonst sitzt ihr gleich von Anfang an im Dreck, und das Unvergnügtsein zieht mit euch rein ins neue Haus, und dann hilft dir kein Mensch und kein Gott. Wenn erst die Kinder kommen, dann gibt sich das von selbst. Aber bis dahin mußt du Wahrschauen, daß sie ihren Schürzenzipfel nicht so oft braucht.
So hab ich sie bei der Hand genommen und bin mit ihr ums Haus rumgegangen und dann hinein, als wenn sie das alles zum ersten Male sah, und ich mußte ihr alles nun zeigen und ausdeuten: Nu kuck mal bloß, Wieschen, wo fein das läßt. Und lauter gesundes Holz. Das hat der liebe Gott hier extra für uns wachsen lassen, und war haben es nicht gewußt, bis wir herkamen. Und die Bäume haben es auch nicht gewußt, und der Präsident auch nicht und kein Mensch, bloß der liebe Gott. So hat Abraham mit Sarah auch im Blockhaus gewohnt, und Josef, der Zimmermann, der hat akkrat solche Häuser gebaut, und besseres Holz hat er sein Lebtag nicht gehabt.
Und nun bekuck dir bloß mal die vier Stämme in den Ecken! Da ist Verlaß drauf, und sie zeigen genau nach den vier Winden, die wir in der Schule gelernt haben. Nu kuck mal um den da nun, – ne, so müßt du kieken! – Denn hast du grad die Flucht nach dem Bänkenberg, und dahinter liegt unser Dorf, und wenn du dahin kuckst, dann kannst du ruhig die Hände folgen. Und hier über den Berg rüber, da wohnt der Präsident über das Land, und wenn du dahin kuckst, dann kannst du ruhig einen Knicks machen. Das kostet nichts.
Und nun erst die Fenster. Zwei Stück! Noah hatte man eins in seiner Arche. Zu dem da guckt die Sonne morgens rein und sagt: Guten Morgen! Nu man fix an die Arbeit! Ich bin schon raus aus den Posen. Aber zu dem andern kuckt sie abends rein und sagt: Nu holt man up un gaht man tau Bedd! Morgen is ok noch en Dag. Es ist genug, daß ein jeglicher Tag seine eigene Plage habe.
Daß so viele Ritzen da sind, das ist auch gut. – Na, warum ist das gut? sagt sie und hat den Schürzenzipfel nicht mehr in der Hand. – Ja, sage ich, da kommt frische Luft rein und geht der Rauch raus. Das ist billiger und besser als mit den neumodischen Luftklappen, die sie sich in den Städten ausgeklüstert (ausgegrübelt) haben. Und wenn wir abends so im Bett liegen, Wieschen, und draußen ist eine Mondfinsternis los oder so was, dann brauchen wir bloß den Kopf nach der Seite rumzudrehen, wo sie ist, und brauchen nicht mal aufzustehen wie die Reichen.
Wenn’s aber regnen tut? sagt sie. – Dann freuen wir uns auch, sage ich; dann lassen wir’s uns auf den Kopf regnen. Das ist echtes Haarwasser und ganz umsonst. Da tun die Haare nach wachsen. Auch ist der Regen gut für das Land, sage ich und merke, daß sie mich fest hat. So sagt sie auch gleich: Ja, für das Land, aber nicht für die Betten! Und dabei lacht sie mich aus, weil sie mich festgekriegt hat, und ich freue mich darüber, denn Lachen ist besser als Weinen. Lachen gibt blanke Augen und blankes Herz. So sage ich: Da hast du richtig recht, Wieschen; aber weißt du, was wir dann machen? Dann nehmen wir den großen Plan und ziehen ihn über die Betten und schlafen weiter. Nein, so ein Dach, das ist zehnmal besser als: Ich setze den Hut auf und das Dach ist fertig. Nein, Wieschen, daß die Häuser hier auch ein Dach haben und daß sie inwendig hohl sind, das gefällt mir an Land Amerika. Das ist eine gute Sitte.
Aber nun mal weiter; wir sind noch lange nicht fertig. Hier im Süden ist ein Loch; da können wir unsern Nachbarn gleich die Hand durch geben, wenn sie vorbeikommen, und können fragen, woans es ihnen geht. Und wenn ich auf dem Felde arbeite und hier kommt wer an, dann brauchst du nicht mal die Tür aufzumachen, wenn du nicht willst. Das ist auch gut, denn Tramps und Stromer können hier auch mal vorkommen. So kannst du sie dir durch das Knastloch anbesehen.
Lieber Freund, ich kann dir mitteilen, das Loch im Süden hat viele Jahre lang seine Schuldigkeit getan. Wenn da einer kam, dem sagten wir gleich durch die Wand durch guten Tag und guten Weg, und wenn ich draußen war und Wieschen drinnen und ich wollte was von ihr haben, dann langte sie es mir gleich durch das Loch raus. Aber im Winter stopften wir es mit altem Zeug aus. Mal eins war ich auf dem Felde, und sie hatte den Riegel nicht vorgeschoben. So stand da einmal ein Hausierer mit seinem Packen vor ihr. Aber sie wollte ihm nichts abkaufen. Da hat er mit Verachtung in den Ecken rumgeschnüffelt und gesagt: Man kann sehen, hier tanzt Powerlieschen hin! Sie aber hat ihm mit dem Besenstiel ein paar zwischen die Schulterblätter gegeben und dazu die Wörter gesagt: Und hier kann man sehen, wo Powerlieschen hinschlägt! So ist er ohne Segen und Geschäft hinausgekommen.
Ich aber hab ihr weiter das Haus erklärt und ausgedeutet: Wenn du glaubst, Wieschen, daß wir hier man eine Stube haben, dann glaubst du vorbei. Wir haben hier drei Stuben und eine Küche. – Wieschen macht runde Augen und kuckt an allen Wänden und an mir nun. – Es ist, als ich sage. Nu paß Achtung. – So nehme ich ein Stück Kreide und ziehe damit zwei Striche durch die Stube. Einen so und einen quer. Fertig! Nun hast du deine Stuben, und die Wände können wir uns sparen. Die sind auch bloß da, daß man im Dustern mit dem Kopf dagegenläuft. Hier ist deine gute Stube. Da kommt der Abreißkalender mit den bunten Bildern hin, den der Kaufmann mir zu Neujahr versprochen hat. Ich sage dir, Wieschen, mehr Tage hat der Präsident auch nicht in seinem Kalender.
Ja, sagt sie und lacht, das wird fein, da nötige ich immer meinen Besuch rein. Der soll dann unter dem Kalender sitzen. – Schön. Und hier nebenan ist meine Stube. So kann jeder in seinem Salon sitzen, und wenn wir was zu besprechen haben, dann ist uns keine Wand im Wege. – Sie nickköppt und wird ganz eifrig: Und hier ist natürlich meine Küche, denn da steht der Ofen, und hier nebenan, das ist unser Speisezimmer, denn da steht gut der halbe Tisch drin. – Richtig, Wieschen, und wenn wir uns nach dem Essen etwas verdauen wollen, dann brauchen wir hier bloß durch die Tür zu gehen, dann haben wir gleich den Busch vor uns. Nu sag’ mal bloß, Wieschen, was ist dagegen dem Großherzog sein Schloßgarten in Ludwigslust? En ganz lütten Drummel, segg ick di. Ne, mit den tusch ick noch lang’ nich!
Szüh, so hat sie einen andern Sinn bekommen

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