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Läuschen un Rimels
Peter Guhl
Lustige Reimereien von Fritz Reuter
ins Hochdeutsche übertragen von Peter Guhl
Preis: 16,50 € *
Leseprobe
URSPRUNG, SINN UND DRUMHERUM
Warum sollte man Reuters “Läuschen un Rimels” ins Hochdeutsche übertragen? Dazu könnte man eine Gegenfrage stellen: Warum haben Schlegel und Tieck die Werke Shakespeares ins Deutsche gebracht? Letzten Endes doch “nur” zur Erbauung, Freude und Unterhaltung. So ähnlich ist es auch mit Reuter, wenngleich es da graduelle und andere Unterschiede gibt. Reuters bilderreiche und urwüchsige Schöpfungen sollen auch dem erschlossen werden, der seine Sprache nicht aufnehmen kann.
Gerade da beginnt die Problematik. Kann man das überhaupt? Macht man Reuter bei der Übertragung ins Hochdeutsche nicht “kaputt”? Die Frage ist nicht neu. Reuter war einst in Deutschland einer der meistgelesenen Autoren. Schon vor etwa hundert Jahren sind fast alle seine Werke auch auf Hochdeutsch erschienen. Bezogen auf seine Prosa ist eine hochdeutsche Fassung weniger problematisch. Aber bei der Lyrik, vor allem bei den “Läuschen un Rimels”, wird es kompliziert. Hier ist die Frage nach dem “Kaputtmachen” nicht ganz unberechtigt. Vielleicht wurden die von Kurt Batt als “Schwänke” bezeichneten Gedichte deshalb bisher nicht ins Hochdeutsche übertragen.
Wenn das mit dem vorliegenden Werk versucht wird, so ist sich der Autor voll bewusst, welche Gratwanderung im Gebirge der Literaturkritik er damit unternimmt. Ist es wirklich so, dass der schöne plattdeutsche Humor Fritz Reuters dabei verloren geht und krankhaft in etwas klamaukhafter Trivialität untergeht? Der Autor ist anderer Meinung, und versucht, es zu beweisen. Für Reuters Gedichte ist eine “Übersetzung” undenkbar. Eine “Übertragung” klingt da schon besser. Aber eigentlich muss es eine “Nachdichtung” sein, eine Neuschöpfung im Geiste des Alten, ein Einstimmen in den Ursprungsklang, also eine Art Gleichklang. Wenn das wenigstens teilweise gelingt, dann war die Arbeit nicht vergebens. Möge der Leser das entscheiden.
Die “Läuschen un Rimels” entstanden vor etwa 150 Jahren. In ihnen spiegelt sich das rückständige Mecklenburg dieser Zeit wider. Aktuelles ist nicht mehr aktuell, einiges ist sogar fragwürdig, aber die meisten dieser “Schwänke” finden sogar noch heute Parallelen. Ursprünglich war deshalb eine Auswahl vorgesehen, aber die Vollständigkeit ist eigentlich die bessere Lösung. Sie verlagert dann das Auswählen auf den Nutzer, dem sie das ganze Spektrum bietet.
Die Übertragung des Titels ist schwierig. Eigentlich ist “Läuschen un Rimels” nicht übersetzbar. Rimels sind Reime, aber das Wort “Läuschen” hat es in sich. Macke und Junkermann bezeichnen es schlicht als “Anekdoten”. Herrmann-Winter sagt ebenfalls “Anekdoten”, aber auch “lustige Gedichte” und verweist auf den Ursprung als leises geistliches Lied im Mittelalter. So hat sich der Autor entschlossen, den Titel “Läuschen un Rimels” beizubehalten, aber auch auf Reuters Untertitel “Plattdeutsche Gedichte heiteren Inhalts in mecklenburgischvorpommerscher Mundart” zu verzichten. Stattdessen wurde der Untertitel “Lustige Reimereien” gewählt.
Der Übertragung lag die von Kurt Batt herausgegebene und im Konrad-Reich-Verlag bzw. bei Hinstorff erschienene Reuter-Ausgabe zugrunde. Diese enthält in der ersten Folge 68 und in der neuen Folge 69 Gedichte, insgesamt also 137 Gedichte. Sie sind in der vorliegenden hochdeutschen Ausgabe komplett und in der gleichen Reihenfolge enthalten.
Die Bearbeitung durch den Autor begann mit der wörtlichen Übersetzung des jeweiligen Gedichts, die verständlicherweise zu einer weitgehenden Entstellung führte. Es passten weder Reim noch Versmaß, denn das Niederdeutsche unterscheidet sich bekanntlich im Sprachaufbau beträchtlich vom sogenannten Mitteldeutschen mit seinen Dialekten.
Nach der wörtlichen Übersetzung erfolgte eine erste Übertragung in Form einer Nachdichtung. Dabei mussten Wortumstellungen und Wortänderungen vorgenommen werden. Reim und Versmaß wurden den allgemein gebräuchlichen Formen lyrischer Darstellungen angeglichen. Hierbei erwies es sich, dass Reuter bei seinen Reimen die strengen Regeln klassischer Dichtkunst keineswegs bestimmend angewendet, sondern gewissermaßen seine eigene Metrik entwickelt hat. Der Autor vermutet, dass diesem Umstand weniger eine geplante Versgestaltung als eher die Stimmung und die Laune des Verfassers im Augenblick des Niederschreibens zugrunde liegt. Dieser Ausgangspunkt wurde akzeptiert und die relativ ungezwungene Metrik Reuters als typisches Element weitgehend beibehalten.
Das Ergebnis der Nachdichtung konnte nach dem ersten Schritt nicht befriedigen. Deshalb wurden die so übertragenen Gedichte zunächst beiseite gelegt und gewissermaßen einem “Reifeprozess” unterworfen. Nach einigen Monaten erfolgte dann eine weitere Überarbeitung zur endgültigen Fassung, die für die Veröffentlichung geeignet ist.
Die in der Originalausgabe enthaltenen Vorreden Reuters wurden nicht aufgenommen, da sie in Hochdeutsch verfasst sind und dort nachgelesen werden können. Insbesondere die Vorreden zur ersten und zur vierten Auflage sind geeignet, Geist und Stimmung Reuters sowie das Verhältnis zu seiner Schöpfung zu erkennen.
Die Anmerkungen des Herausgebers der Originalausgabe wurden bei der Übertragung berücksichtigt. Soweit erforderlich, wurden sie in Form von Fußnoten dargestellt. Der Autor selbst hat weitere Fußnoten aufgenommen, die zum Verständnis beitragen sollen.
Soweit Reuter innerhalb seiner Gedichte hochdeutsche Zeilen und Sentenzen verwendete, sind diese voll wörtlich vom Original übernommen worden.
Abschließend zu dieser Einleitung sei noch gesagt, dass der Autor sich bemüht hat, in das Denken und Fühlen des unvergleichlichen Fritz Reuter Eingang zu finden. Er hat versucht, im Benutzen seiner eigenen Grenzen und in Ehrfurcht vor dem “Meister” das Beste zu geben. Aber dabei hat er auch erkannt, es wird immer unvollkommen sein. Eigentlich kann ja nur der Reuter ganz erleben, der des Plattdeutschen mächtig ist. So ist denn das Folgende vor allem für die vielen anderen gedacht.
Neustrelitz, im Jahr 2009
Dr. Peter Guhl
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