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Reisen ins gelobte Land
Seitenanzahl: 231
ISBN: 978-3-935171-69-4
Buchart: Paperback
Gewicht: 259 g
Größe: 19x12,6 cm

Reisen ins gelobte Land

Walter Kaufmann

„Noch immer sehe ich Azmi Edeen im gleißenden Sonnenlicht am Strand der Oase von Dhahab stehen und mit hoch über dem Kopf erhobenen Händen dem Jeep nachwinken, der mich zwischen den Palmen davonträgt. Bald erkannte ich ihn nur noch schemenhaft hinter der Staubwolke, die von den Rädern des Jeep über der Ebene der Wüste aufgewirbelt wurde. Doch sah ich gerade noch, daß er den Pelz der Anna Wolinski über die Schultern warf und der nun ihm gehört …“


Eine der vielen Beobachtungen Walter Kaufmanns auf seinen Reisen durch das gelobte Land. Er nimmt uns mit und wir wissen wie er: Israelis und Palästinenser können in Frieden miteinander leben.


Aber wann?

Preis: 10,00 € *

 

Leseprobe

Zwei Wochen in der Fremde


Leichter Seewind, der über die schmale Sichel des Strandes blies, ließ die Blätter des Notizblocks flattern, in den ich schrieb – Worte nur, Andeutungen von Eindrücken, Dialogfetzen, den Kern von Antworten auf Fragen, Gedächtnisstützen für später, wenn ich Abstand gewonnen haben und überblicken würde, was zwei Wochen in einem fremden Land herzugeben vermochten – vierzehn israelische Tage, gegensätzlich und so wechselhaft wie das Wetter, das in den Sandebenen zwischen Jerusalem und Jericho wüstenheiß gewesen war und schneidend kalt auf den Gebirgshöhen von Hermon.


An diesem meinem letzten Tag in Tel Aviv jedoch war es warm wie an einem Sommertag auf Rügen – ein strahlender Dezembermorgen, der kaum ausgeglichener hätte sein können. Als ich aufbrechen mußte, stand die Sonne steil im klaren Himmel. Wellen rollten mit schäumenden Kämmen dem Ufer entgegen, heftiger jetzt im zunehmenden Wind. Sie brachen sich am Strand, überfluteten und glätteten ihn bis zu den Steinstufen, die hinauf zur Promenade führten. Oben angekommen, blickte ich mich ein letztes Mal um und ging dann schnell davon.


Wenige Stunden später – die bis zum letzten Platz besetzte Boeing hatte Höhe gewonnen und sich in weitem Bogen von der leuchtendgelben Küste entfernt – war es bereits müßig, daß ich mir vorwarf, zu früh abgereist zu sein. Hatte ich denn mehr gewollt? War der Zweck meines Aufenthalts nicht erreicht? Er war erreicht, das immerhin spürte ich. Und so machte es mir auch nichts aus, daß ich jetzt eng eingezwängt in fensterloser Ecke auf einem Notsitz hockte – eine Unbequemlichkeit, die gleich nach der Landung vergessen sein würde.


Natürlich war es der Zollbeamtin auf dem Flugplatz von Lod, die mich so lange aufhielt, daß ich am Ende Mühe hatte, überhaupt noch an Bord der Maschine zu kommen, nicht um Schmuggelware in meinem Gepäck gegangen. Zu arglos wohl hatte ich der jungen Frau bestätigt, nur drei Nächte in dem Hotel verbracht zu haben, in dem ich gemeldet gewesen war. Sie wurde streng, ihr blauer Rock und die straffe graue Bluse erschienen mir plötzlich als das, was sie waren, nämlich Teile einer Uniform, und sie befaßte sich jetzt genauer mit mir. Mit welchem Ziel war ich zu wem in welche Städte gereist?


Den braungebrannten, bärtigen jungen Männern, Urlaubern durchweg, die sich vor und hinter mir eingereiht hatten, Gitarren über der Schulter, Kameras und Tauchgeräte in den Tragetaschen, hatte sie mich wohl von Anfang an nicht zugerechnet. Jetzt aber fühlte sie sich veranlaßt, mich an einen Offizier höheren Rangs weiterzuleiten. Der prüfte aufmerksam jede Seite meines Passes und fragte mich schließlich nach meinem Beruf.


„Dann werden Sie vermutlich auch über Israel schreiben?“ …

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