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Runter bis zur Eselstraße
Seitenanzahl: 151
ISBN: 978-3-935171-25-0
Buchart: Paperback
Gewicht: 159 g
Größe: 19x12,6 cm

Runter bis zur Eselstraße

Kurt Biesalski

In Begleitung der attraktiven Dolmetscherin, der liebenswerten Diana Ivanova, aber vermag der Autor, die Gelegenheiten eines auf Touristen eingestellten Landes zu genießen und so zu beschreiben, daß gewiß mehr dabei herauskommt als ein Reiseführer.

Preis: 10,00 € *

 

Leseprobe

… Schauen Sie! sage ich und drehe mich schnell um. Aber Frau Ivanova ist eine Dame und dreht sich nicht so schnell um. Da hatte einer eine Pelzmütze auf dem Kopf. Jetzt bei der Wärme eine Pelzmütze!
Ach, das ist nichts Besonderes, sagt Frau Ivanova und winkt mit goldberingter Hand ab. Das sind in Bulgarien alte Leute. Die tragen auch eine nun, wie sagt man Pelzweste. Und wenn man fragt: Ist es nicht zu heiß? Ja, sagen sie dann, es ist heiß. Aber das liegt nicht an der Weste, das liegt an der Sonne. Und wenn man dann sagt, er soll sich die Weste ausziehen, dann sagt er: Das hat nicht viel Zweck. Zum Abend wird es wieder kalt. Das ist so nun, wie sagt man ein Sprichwort bei uns in Bulgarien.
Frau Ivanova hält den Kopf ein wenig zu mir geneigt. Sie hat einen Zug am Mundwinkel, der zeigt, daß sie bereit ist, alles lächelnd zu betrachten. Diana Ivanova ist eine weitgereiste Frau. Sie ist so oft in der Türkei gewesen, daß sie es nicht mehr zu zählen vermag, sie war mehrmals in Griechenland, in Jugoslawien. Frau Ivanova war in Italien, in Frankreich, England, Schweden und so ziemlich in allen Ländern, die zwischen Schweden und Bulgarien liegen. Sie hat die Gelassenheit einer Frau, die viel gesehen hat. Und mich berührt es ange-nehm, daß der Zug an ihrem Mundwinkel sie nicht dazu verleitet, alles einfach zu belächeln. Wenn sie lächelt, ist Wärme darin. Und am Ende spürt man immer, daß sie, die Dame, sich mit einbezieht. Sie gehört dazu. Zu den Bauern mit ihren Pelzmützen, zu den betrügerischen Marktverkäufern, zu den Tablaspielern und zu den Fischern, die mit der Müdigkeit der Vornacht auf Thunfischfang ausfahren und ohne Erfolg heimkehren; zu den kleinen Touristenspekulanten, zu den Zigeunerjungen, die artig ein Glas Bier bestellen, zu den Verkäuferinnen in allen Läden und Warenhäusern, in denen wir waren, und zu den Busfahrern und den jungen Marineoffizieren, die aufgestanden sind und den Leuten ihren Platz überlassen, zu den Kellnerinnen und den Rezeptionsmädchen, zu den Dichtern des Landes, den großen und den kleinen, und zu allen Leuten auf der Straße und wo immer man sie anspricht. Immer habe ich das Gefühl, Frau Ivanova gehört dazu. Ich habe sie nie auffahrend gesehen, und wenn es ihr irgendwo einmal nötig schien, dann ließ sie mich zurück und erledigte es allein.

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