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Herabgestürzt aus 1000 Himmeln
Seitenanzahl: 154
ISBN: 978-3-86785-074-2
Buchart: Paperback
Gewicht: 200 g
Größe: 12,9 x 19,0 cm
Erscheinungsdatum: Februar 2009

Herabgestürzt aus 1000 Himmeln

Eine Familienchronik aus Angeln 1800 bis 1933

Beate Schoen

Eine spannende Chronik, die sich bis ins Jahr 1933 erstreckt und die Familiengeschichte der Autorin in die großen Strömungen der Zeit und das ländliche Idyll in Angeln einbettet.

Preis: 12,50 € *

 

Leseprobe

… Endlich fassten Lucias Holzkloben Tritt auf den runden Pflastersteinen vorm Dorfkrug und hinterließen dicke Erdklumpen auf dem Steinboden in der unbeleuchteten Vordiele des Hauses. Laute Männerstimmen drangen aus der Gastwirtschaft und wiesen Lucia die Richtung zur Stubentür, die sie mit aller Kraft aufdrückte und die ihr Zutritt in die schummrige, warme Räumlichkeit verschaffte. Der Großbauer gab gerade eine Runde “lütt un lütt” aus und man bezog das junge Mädchen übermütig in das Zuprosten ein. Sie grüßte mit dem leeren Krug zurück und lächelte in die lärmende Runde.
Sie mochte die anheimelnde Stimmung im Lokal, hier wollte sie arbeiten, wenn die Schulzeit mit der Konfirmation abgeschlossen sein würde. Noch ein Jahr! Und die Mutter könnte sie zu sich nehmen, sobald der verhasste Vater endlich stürbe.
Der Häuersmann Peter Schmidt kränkelte seit einigen Monaten und war kaum noch in der Lage, mit seinen Hilfsarbeiterdiensten für den Verpächter ihrer kleinen Bauernstelle die dreiköpfige Familie zu ernähren. Nur ein Brot gab es mittags, meist ohne Schmalz oder Butter und abends würgten alle an der spelzigen Gerstengrütze, auf der noch das Entenflott vom Teich vorm Haus zu sehen war und verriet, woher die Mutter das Wasser zum Kochen genommen hatte.
“Na, min Deern, is din Vadder wedder durstig?”, sagte der dicke Wirt mitleidsvoll zu Lucia und wischte die Hände an der blauen Bauchschürze trocken. Die Kleine reichte ihm wortlos eine Münze über die Theke, dann den Krug. Es bedurfte keiner Bestellung. Ihr Gegenüber wusste, dass Peter Schmidt, den alle den “Trunkenbold” nannten, nach Branntwein verlangte. Der Wirt füllte Lucias Krug und übergab ihn wohl gefüllt dem Mädchen, das vorsichtig die Arme um das kostbare Gut schlang und den langen Heimweg durch die dunkle, wilde Nacht antrat. Nur nichts verschütten! Der Vater schlug hart zu, bevor er nicht sein tägliches Quantum getrunken hatte …
Wieder einmal war das Geld, das ihre Mutter und sie mit Weben verdient hatten, für Branntwein draufgegangen. Wenn die Mutter den Vater tatsächlich einmal um Bares bat oder die Trinkerei bemängelte, drohte er ihr Prügel an oder wurde sofort gewalttätig.
Charlotte Schmidt, geborene Juhl, war eine zierliche Frau, die ihr Los schweigend ertrug. Nach außen hin dem Ehemann ergeben und seinen Schikanen scheinbar willenlos ausgeliefert, hielt eine innere Vitalität sie aufrecht und ließ sie klug darauf achten, der Tochter eine aussichtsvollere Startpositon ins Leben zu verschaffen. Lucia wurde zum eifrigen Lernen in der Schule angehalten. Am Nachmittag saßen Mutter und Tochter am Webstuhl und sangen fröhliche Lieder oder rezitierten Gedichte, solange der Hausherr abwesend war. …

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