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Unser aktueller Katalog 2011
Kleines Jubiläum – BS-Verlag-Rostock zum 10. Mal auf der Leipziger Buchmesse
Deshalb ist das auch das 10. Katalogchen des Verlages. Damals als Zeichen des kleinen Verlages in dieser Form entstanden, kommt er heute aus Tradition in gleicher Weise daher. Treu geblieben sind wir auch dem Wollen, der Verlag der heimischen Autoren im Allgemeinen und der ernsthaften Plattdeutsch-Schreiber im Besonderen zu sein. So versammeln sich hier gestandene Autoren, die ihre Zeit beim Schreiben und lieber bei ihren Lesern (und Käufern) verbrachten, als mit den Abgesandten der freiheitlichen Demokratie. Johannes Gillhoffs und Carl Beyers Werke, die nur selten in Antiquariaten zu haben sind, kommen durch uns in den Buchhandel, wie auch Rudolf Hartmanns Arbeiten, die im Antiquariat nicht zu finden sind, da sie nie gedruckt wurden, weil die braunen Herren den Autor nicht in die Reichsschrifttumskammer, aber ins KZ brachten und den Landtagsabgeordneten dort ermordeten.
Und doch … Fragt man Gymnasiasten in Mecklenburg nach Luise, dann wird die Mehrheit über die Gute etwas zu berichten wissen. Und Moritz Wiggers, über den kein Geringerer als Carl Schurz schrieb: „… holte sofort Moritz Wiggers herbei, der nun die ganze Sorge für uns übernahm.“ Was dann? Wohin holte man den unbekannten Wiggers? Zum Gasthaus zum weißen Kreuz. Wo ist denn das? – Während in das Schloss der Luise Millionen fließen (natürlich Spenden, abzugsfähig) wurde der Gasthof von den freiheitlichen Demokraten sofort entsorgt. Die Standesgenossen der Luise warfen Wiggers und seinen Bruder Julius ins Zuchthaus und begnadigten sie später mit gleichzeitigem Berufsverbot – lebenslang, versteht sich. Will man die Reichstagsabgeordneten nicht mehr kennen, weil sie Bücher schrieben wie „Der Vernichtungskampf wider die Bauern in Mecklenburg …“ und in „Geschichte der drei Mecklenburgischen Landesklöster Dobbertin, Malchow und Ribnitz“ die Selbstbedienungsmentalität des Mecklenburgischen Adels nachwiesen, oder gehören nicht sie in die Tradition der freiheitlichen Demokratie, aber Luise? Es gibt noch viel zu tun. Wir packen es an. Versprochen! Dipl.-Ing. oec. Angelika Bruhn
Katalog 2010
Gute Wünsche für ein langes Leben anlässlich 10 Jahre BS-Verlag-Rostock: "... viel Glück für mindestens noch 25 Jahre, irgendwann Nachfolger einarbeiten, weniger arbeiten - das ja ...
Ihnen ist doch wohl klar, was Sie da Verdienstvolles machen? Sie sind ein Sammelbecken für vom so genannten Mainstream nicht mitgenommene Autoren. Der in der Literatur aufbewahrte DDR-Alltag findet sich in Ihrer Produktion und zwar konzentriert. Später, wenn man mal wissen will, wie's war und wenn Ost und West keine Rolle mehr spielen - bei den Barockdichtern fragt man ja heut auch nicht mehr, ob sie katholisch oder evangelisch waren und doch hat das damals über Leben und Erfolg entschieden -, wenn also Ost und West keine Rolle mehr spielen, nur noch die literarische Qualität, die Informationsdichte, die Welthaltigkeit, wird man auf das zurückgreifen, was Sie angehäuft haben.
Dorothea Kleines Buch "Das Paradies ist anderswo" ist wahrhaftiger und besser als so manches in diesen Tagen preisgekrönte und gefeierte ... Dazu Ihre Edition der verbrannten Bücher!
Ich würde vorschlagen, so ab 85 oder 90 etwas kürzer zu treten."
"Vielen Dank für die guten Wünsche! Verleger sein ist wirklich schön. Schon über vierhundert Bücher sind für Kommende durch unser Tun in der Nationalbibliothek und damit nicht verloren.
Und werden Autoren und Verleger auch nicht reich, so wenigstens ein paar Psychotherapeuten auch nicht.
Dipl.-Ing. oec. Angelika Bruhn"
Katalog 2009
Ritterschlag - Fritz-Reuter-Literaturpreis 2008
Nicht wenige Literaturpreisträger haben mir schon ihre Bücher anvertraut. Einmal durfte ich Wolfgang Gablers Anthologie der Neruda-Preisträger betreuen. Darauf war und bin ich stolz.
Aber dann drang die Nachricht nach Bargeshagen: Dietrich Sabban erhält für sein Buch "In mienen Rückspeigel käken" den Fritz-Reuter-Literaturpreis 2008. Ein Rezensent schrieb über den Autor: "Der niederdeutschen Literatur werden durch die Welterfahrenheit des bodenständigen Mecklenburgers, geboren 1935 in Rostock und aufgewachsen in der Griesen Gegend ganz neue Möglichkeiten und Sichtweisen eröffnet". Mit der Freude kam Hoffnung auf. Endlich merken die Journalisten, daß Plattdeutsch nicht nur Jux- und Stammtischsprache sein muß. Gillhoffs "Mri-Duri" in "Bilder aus dem Dorfleben" wird man zur Kenntnis nehmen und in der Prävention gegen Fremdenfeindlichkeit nutzen. Die von Eva-Sophie Dahl hoch gelobte "Hellenia" des Malchower Friedrich August Lessen und die Forschungen von Detlev Putzar zum Lebensweg dieses Autors werden nun endlich ausreichend gewürdigt. Gottfried Kedings Bühnenfassung von "Jürnjakob Swehn, der Amerikafahrer" findet nun doch noch einen Aufführungsort …
Die Freude ist geblieben.
Dem Außenseiter ist nun klar, daß der Literaturpreis nicht von Friedrich Grieses Fritz-Reuter-Gesellschaft verliehen wird. Der Insider wundert sich auch nicht über die Reaktion von Journalisten, die Preisrätslern als Hilfestellung zu John Brinckman eine Geschichte vorlesen, in der eine Jude verballhornt wird oder auf der Suche nach dem Denkmal eines alten Mecklenburger Haudegens einen Reisebericht in die Türkei aus dem 19. Jahrhundert, der nur noch durch Berichte "unserer" Feldgrauen über polnische und russische Dörfer überboten werden kann.
Die Hoffnung hat sich etwas gelegt; obwohl - lieber Jux und Stammtisch als Blut und Boden.
Aber noch ist nicht aller Tage Abend.
Katalog 2008
Bücher machen - Bücher verbrennen?
Bücher machen - Bücher lesen!
Vor 75 Jahren brannten in Deutschland Bücher, auf Scheiterhaufen vor johlender Menge. War der Kulturbolschewismus in Fahrt? Nein, die Blüte der deutschen Nation, die Studenten und Professoren waren von der Rolle. "Nesthäkchen", eines der deutschesten der deutschen Bücher, warfen sie nicht in die Flammen - dafür aber die Autorin 1943 ins Gas. Und nach den Schandtaten, die der Bücherverbrennung folgten trug ein Professor 1945 bei der Wiedereröffnung der Rostocker Universität gelassen unter Beifallsgetrampel der Studenten vor: "Der 'Heliand', die größte Kulturtat jener Zeit, zeugt von dem nachklingenden Eindruck, den das Reich Karls des Großen im sächsischen Geist hinterlassen hatte. Der Dichter will beweisen, daß die Germanen, die von der Vorsehung auserkorenen Herrenmenschen sind und als einzige in der Welt berufen, die semitische Heilslehre schöpferisch um- und neuzugestalten …" Mit der gleichen Gelassenheit sprechen die Professoren heute von dieser Kulturschande: "Natürlich fand sie nicht nur in Greifswald statt. In fast allen deutschen Universitätsstädten gab es ähnliche Spektakel. Ausschließlich in Universitätsstädten, denn diese Aktion war eine Idee der Studentenschaft. Zwar hatten die Nazis schwarze Listen mit in ihren Augen verwerflichen Büchern veröffentlicht, es gab aber weder die offizielle Anordnung, Bibliotheken und Buchläden zu plündern, noch einen Zwang, sich daran zu beteiligen."
Da bleibt dem Berichterstatter nur die Feststellung: "Eine Erklärung, wie die Stimmung entstanden war, in der eine solche Idee diese Wirkung zeigte, blieben auch die Vortragenden schuldig." Baldur von Schirach könnte sich ein Grinsen nicht verkneifen, wenn er noch könnte.
Unsere kleine Reihe "Das verbrannte Buch" kommt gegen soviel Gelassenheit nicht an, aber wir wollen - wir müssen Flagge zeigen. Ich wünsche dem Moses Mendelssohn Zentrum in Potsdam viel Erfolg für seine "Bibliothek verbrannter Bücher". Aber was ist eine Bibliothek im Glasschrank des Gymnasiums - gegen das Geschenk von Oma oder Opa mit dem Einband "Da+ verbrannte Buch"? Helena Bobinska, Die Rache des Kabunauri wünschte ich schon eine Auflage wie der Volksmarine. Die staunenden Augen der Jugendlichen würde ich gern sehen: "Und das hat man verbrannt. Warum?"
Schluß mit Gelassenheit!
Katalog 2007
Jetzt beginnt das verflixte siebente Jahr
Es hat schon gut angefangen: die Scheidung von der Büro + Service GmbH Rostock ist vollbracht. Nichts ist so schlecht, als dass es nicht sein Gutes hätte: der BS-Verlag-Rostock Angelika Bruhn kann sich auf die angenehme Zusammenarbeit mit Autoren, Journalisten und Buchhändlern konzentrieren.
Mut auf die nächsten glorreichen Sieben macht die erfolgreiche Zusammenarbeit mit Hartmut Brun, dem fleißigen Herausgeber. Er sagte im Jahr 2000: "Macht doch Gillhoffs Bilder aus dem Dorfleben, das Buch ist seit 1905 nie wieder erschienen." - Das war unser erstes Buch.
Und nun liegen mit "Zur Sprache und Geschichte des Kleinen Katechismus" die größeren Arbeiten von Johannes Gillhoff vor, erstmals alle in Mecklenburg verlegt. Gesammelte Werke von Johannes Gillhoff in Einzelausgaben! Der Lehrer, Volkskundler, Journalist und Romanschreiber Johannes Gillhoff hat auch als Sprachwissenschaftler im "Kleinen Katechismus" gezeigt, wie modern er dachte.
Zu Unrecht steht sein Werk im Schatten der Populären, wie auch die von Dr. Dahl besprochene CD "Bilder aus dem Dorfleben" zeigt.
Gillhoff - das ist nicht nur der Amerikafahrer.
Mecklenburg - das ist nicht nur Hinstorff.
Katalog 2006
Alltag in der DDR
In fast 50 Büchern unseres Programms kann man erfahren, wie es in dem untergegangenen Land zuging. Rechtfertigungsliteratur? Die Romane, Erzählungen, Reportagen, Lebenserinnerungen entstanden zu unterschiedlichen Zeiten.
Anerkannte Schriftsteller schufen Gegenwartsliteratur, als das Ende der DDR nicht zu erwarten war. Jeder hatte seine Themen und natürlich andere künstlerische Absichten. Karl Mundstock, der zu jeder Zeile seines Werkes steht, warnte den Leser bei der Neuausgabe seiner Reportage Helle Nächte: "Ich bin verpflichtet, Sie darauf aufmerksam zu machen, daß damals 1952/53 die Junge Welt schrieb: ‚So ist unsere Jugend nicht.' Armin Müller lächelte verschmitzt, als er seinen Magdalenenbaum für unser Taschenbuch durchgesehen hatte: "Ich wusste gar nicht mehr, wie aufmüpfig wir damals waren."
Menschen verschiedener Berufe legen ihre Lebenserinnerungen vor und siehe, der Staatsanwalt erinnert sich an seine frühe Entscheidung gegen ideologische Dogmen, die Lehrerin beschreibt den Krach mit dem Schulamt, die Hochschullehrerin weiß von Repressionen wegen der Zuneigung ihrer Tochter zum falschen Mann zu berichten, der Soldat beschäftigt sich mit Anspruch und Wirklichkeit der Volksarmee, und der Kfz-Meister und Berufskraftfahrer erläutert, was in der DDR Goldstaub war. Lobeshymnen? Na, ja.
Wolfgang Schreyer bringt es im Nachwort zur Neuauflage von Mit Kräuterschnaps und Gottvertrauen auf den Punkt: "Und immerhin, dabei war mir aufgegangen: Der Kampf zwischen Boss und Belegschaft endet nicht, solange es keine soziale Gerechtigkeit … gibt."
Dem widerspricht keiner der Autoren. Wenn das Rechtfertigung ist, dann soll es so sein.
Katalog 2005
Prophet?
Leopold Reiser am 27.11.2000 über den Verlag in der Zweiwochenschrift Das Blättchen:
"… Die Bücher, die mv-taschenbuch macht, sind ebenso unzeitgemäß wie der Name des Platzes, an dem der Verlag logiert.
Am besten geht Der Hauptgewinn von Kurt Biesalski, ein Buch über den alten Traum vom Reichwerden - mit Honeckerbildern, die Biesalskis Held auf dem Hamburger Fischmarkt zu vertrödeln sucht. Eine Parabel auf Ensikats Bemerkung, daß man augenblicklich nicht wisse, ob die Ostdeutschen noch Minderheit oder schon Elite seien.
Der Wustrower Heinz Kahlow ist mit einem Lyrikband ebenso vertreten wie Wolfgang Schreyer, Autor des ersten Politthrillers der DDR, und Klaus Frühauf, Autor utopischer Romane. Kurz: alles Bücher, von denen es in den großen Verlagshäusern heißt, daß sie nicht gehen, manchmal auch nur nicht gehen sollen. So wie das Wendetagebuch Vineta 89 von Jean Villain, eine der klügsten und spannendsten Wendereflexionen, das demnächst erscheint.
… Herkömmliche Kleinverlage halten sich durchschnittlich drei Jahre am Markt, mv-taschenbuch hat die Chance, älter zu werden. Vielleicht sogar am Hannes-Meyer-Platz."
Katalog 2004
Frau Dr. Christine Gundlach befragt Angelika Bruhn:
C. G.: In dieser Reihe (MV Taschenbuch) findet man vor allem Werke bekannter Autoren aus jüngster Vergangenheit, unter ihnen solche Namen wie Klaus Frühauf oder Wolfgang Schreyer aus unserer Region, aber auch Rosemarie Schuder oder Walter Kaufmann. Wie sind Sie mit den Autoren in Kontakt gekommen?
A. B.: Unser Anliegen sprach sich schnell herum bei den Autoren aus der DDR-Literatur, die nun bei den Verlagen nicht mehr gefragt sind. Die meisten waren nach der Wende in ein tiefes Loch gefallen. Es gab sehr ergreifende Begegnungen, Anrufe, Briefe. Kurt Biesalski sagte mir, er hatte fast schon aufgegeben. Heinz Kahlow meinte, er sei jetzt richtig aufgelebt. Das ist das Schöne am Verleger-Sein: Man trifft eine Menge kluger und mutiger Menschen. Diese Begegnungen sind für mich ein wunderschöner Dank für alle Arbeit. Inzwischen haben wir es auf 141 Taschenbücher gebracht - Romane, Reportagen, Science Fiction, Reiseliteratur, Biografien, Vertellers un Riemels, Lyrik …
C. G.: Unter Ihren Autoren finden sich auch Namen, die selbst der kundige Leser nie gehört hat …
A. B.: … ja, in unserer dritten Reihe "Schreibwerkstatt" verlegen wir jetzt auch neue unbekannte Autoren, die kaum eine Chance bei großen Verlagen haben.
C. G.: Und die "Verbrannten Bücher" - setzen Sie die Reihe fort?
A. B.: Selbstverständlich - 6 Bücher sind ja noch keine Reihe! …
Katalog 2003
Wolfgang Schreyer hat sich und allen Lesern zu seinem 75. Geburtstag ein wunderbares Geschenk gemacht: "Das Kurhaus". Nicht zufällig erschien eine neue Auflage von "Die Entführung" fast zeitgleich. Das scheinbar hoffnungslose Agieren von Opposition in einem Land ohne heimische Großunternehmer ist Gegenstand beider Erzählungen des bekannten Autors. Und ist sie nicht Waffe, so doch ein schöner Kompaß - die Kunst.
Wer gibt uns "… das Recht, in den Chor des Zeitgeistes einzustimmen und den Traum, den alten, wie eine Peinlichkeit vor uns selber, unseren Kindern und Enkeln zu verschweigen?", fragt Armin Müller im Vorwort zur Nachauflage seines "Poem Neunundfünfzig".
"Ist Verleger sein schön?"
Man trifft eine Menge kluger und mutiger Menschen.
Katalog 2002
Verleger werden ist schön. Ein Buch von der Druckerei holen, ist wie Mutter werden. Das letzte Buch ist immer das schönste. Und dann die Emotionen der Autoren. Ob es das erste Buch, Büchlein, Heft ist oder der Routinier das Sechsmillionste seiner vielen Titel und Auflagen sieht, überschäumende Freude und gelassene Ironie; nun ist es da, was macht da schon der Leberfleck. Eigentlich ganz niedlich, nicht? Dann der Leser, der viel umworbene, der froh einen schlichten Band mit nach Hause nimmt, den er sich schon lange im Antiquariat kaufen wollte (weil z. B. 1905 das letzte Mal erschienen), und nun ist er wieder im Buchhandel. Oder das Lob der Journalisten, "… das Profil bestimmt, was durch die Wende unter die Räder geriet." Die Genugtuung des Buchhändlers, der, mit einer exklusiven Ausgabe nur für sein Geschäft, dem Mitbewerber einiges voraus hat. Ja, Verleger werden ist schön. "Ist Verleger sein schön?" Mal sehen.



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